Süddeutsche Zeitung

Tatort aus Dresden:Wenn Männer weinen

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Die Regisseurin Anne Zohra Berrached inszeniert einen fulminanten Fall, in dem die Ermittlerinnen Gorniak und Winkler glitzern.

Von Claudia Tieschky

So hat man die noch nicht gesehen. Gorniak und Winkler machen sich diesmal auf in eine wilde Nacht, Dienstschluss für die Dresdner Ermittlerinnen. Haare auf, Glitzertops, Luftballons mit Blinkelämpchen, und dann mit dem Auto rein in die Abenddämmerung, Bronski Beat singt betörend melancholisch vom Smalltown Boy, eine Szene wie geklaut vom großen rauen amerikanischen Kino. Dass sie dann statt zur Geburtstagsparty für Gorniak dienstlich in eine Villa mit viel Blut auf dem Ehebett fahren müssen, ändert nichts daran, dass sie einen draufmachen, gesamtenergetisch und schauspielerisch, und zwar den ganzen Film lang.

Die Regisseurin Anne Zohra Berrached, die schon den Fall aus Bremen vorige Woche inszenierte und zusammen mit Christoph Busche nun auch das Drehbuch schrieb, hat den Dresden-Tatort ordentlich durchgelüftet und entschieden zur Frauensache gemacht. Die Männer weinen, lassen sich schlagen oder schlagen selber; und Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) erweist sich als glühender Fan der "Glückssucherin", die auf Youtube vom großen warmen Kreis voller positiver Energie redet "und in der Mitte sind Sie". Privat war die Frau allerdings eher unglücklich mit ihrem Mann und mit seinem großen Hund, jetzt ist sie verschwunden, außer dem Blut auf dem Bett findet sich auch noch altes Blut im Bad. Simon Fischer, der Ehemann, zeigt seine Verzweiflung auf recht verstörende Art.

"Das kalte Haus" ist eine Smarthome-Hölle

Die Episode "Das kalte Haus" zitiert den für die Dresden-Krimis typischen Gruselfaktor, aber sie hat einen herrlichen Zug ins Überdrehte, wozu "Simo", der Sprachsteuerungsassistent in der Smarthome-Hölle, einiges beiträgt. Vor allem aber ist der Fall ein Fest für Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel). Sie mussten oft ernst und betroffen ermitteln, hier dürfen sie Mensch sein, die Feierlaune will wie eine kuriose Form von Kater nicht weggehen. Hart gekämpft wird trotzdem, Staatsanwalt und Oberbürgermeister wirken ein, um den Unternehmer Fischer aus den Ermittlungen rauszuhalten, sie machen Druck auf Schnabel, der auf seine schusselige opahafte Art Druck auf Gorniak macht. Erfolglos, denn die Spannung im Team stimmt diesmal auch.

In einem großartigen Moment ruft Simon Fischer (toll: Christian Bayer) seine Angestellten her, damit die seine Frau suchen. Er verteilt Warnkleidung, stellt sich auf den Hügel vor seiner Villa und hält nun vor lauter Gelbwesten eine rührselige Motivationsansprache. Da ist Fernsehen auch noch bestes Theater.

Das Erste, Pfingstmontag, 20.15 Uhr.

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