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"Tatort" aus Dresden:Angst im Dunkeln

Tatort Parasomnia Dresden

Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, r) tröstet Talia (Hannah Schiller) in einer Szene des "Tatort" mit dem Titel "Parasomnia".

(Foto: dpa)

Dieser "Tatort" erzählt eine Geistergeschichte aus einem Gruselhaus. Wer Kindheitsängste hatte, fühlt sich verstanden.

Von Claudia Tieschky

Dieser Tatort aus Dresden ist das Richtige für die dunklen Novemberabende, denn er trägt zur allgemeinen Gemütlichkeit bei. Gibt ja doch schnell Stress dieser Tage, wenn man ständig zu Hause sitzt und es auffällt, was alles verschönert gehört. Hier vermittelt die Folge "Parasomnia" das gute Gefühl, dass es gar nicht so schlimm ist, daheim in Zweizimmerküchebad ohne Balkon, im Toskana-Traum am Ackerrand oder in der immer noch zu leeren Altbau-Etage. Für jeden Geldbeutel ist hier das Gefühl drin: wie schön, hier zu sein und nicht dort. Denn dort - huh! - Nein, wird nicht verraten.

Das riesige, verfallene Haus, in das das Mädchen Talia mit seinem Vater Ben nach langer Abwesenheit wieder einzieht, könnte viel schöner werden mit ein paar hindekorierten rotbackigen Äpfeln, Kürbissen und Kerzen. Aber die gibt es nicht, und der arme Kerl, der Vater und Tochter bei der Instandsetzung hilft, wird im Haus ermordet. Die ganze Sache erweist sich auch sonst bald als eine Höllenversion von Landlust, die junge Hauptdarstellerin Hannah Schiller erzählte nach den Dreharbeiten: "Fast jeden Tag habe ich Szenen gespielt, in denen ich weinen oder schreien musste".

Das Gruselhaus fällt vor allem auf, weil der Drehbuchautor Erol Yesilkaya, der mit Regisseur Sebastian Marka diese Folge erfand, vor nicht langer Zeit schon einmal eine Dresden-Folge mit ähnlichem Schauplatz schrieb. Damals ließ ein Mann dort seine Opfer ausbluten und präparierte die Leichen am Tisch in einem verlassenen Zimmer. In "Parasomnia" wirkt eher das Haus selber mumifiziert, dafür ist aber auf den Fluren viel los. Die Gestalten dort sieht nur Talia und sie durchlebt nachts fürchterliche Ängste. Andrerseits kann sie erstaunlicherweise den Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) exakt die Namen der Toten nennen, die sie heimsuchen - Frauen, die mutmaßlich einem nie gefassten Serienmörder zum Opfer fielen, und deren Leichen nie gefunden wurden.

Das ist subtiler, als es klingt, vor allem, weil die Krimi-Spannung in eine andere Richtung geht als sonst: Das Mädchen wird von den bösen Schatten scheinbar ganz real verletzt und gejagt. Wer in seiner Kindheit Angst im Dunkeln hatte, kann sich jetzt darüber freuen, er hat dann mehr von diesem Tatort. Der Papa zeichnet währenddessen unten im Haus gruselige Graphic Novels als termingebundene Auftragsarbeit, spricht dem Feuerwasser zu und leidet still am Unfalltod seiner Frau, der Talia traumatisiert hat. Leo Winkler, so sieht es eine Weile aus, könnte der gute Schatten für Talia sein, aber als Harmlosigkeit klären sich die Nachtbilder nicht auf.

Für Menschen, die noch nie Angst im Dunkeln hatten, liefert dieser Tatort immerhin nützliche Argumente dagegen, in unrenovierte alte Häuser einzuziehen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ/hy/ebri
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