"Tatort" aus Dortmund:Es menschelt

Lesezeit: 1 min

Tatort

Tatort "Masken": Die Dortmund-Kommissare Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) im Einsatz.

(Foto: Thomas K/WDR/Zeitsprung pictures)

Ein Polizist will nichts als Aufreißen und die Dortmunder Episode zu viel auf ein Mal - "Lecker Pils"-Ruhrpottoriginal.

Von Holger Gertz

Nachdem in den vergangenen Monaten im Tatort Geister ermittelt haben und Erzählebenen derart überambitioniert verflochten waren, dass man schon nach zehn Minuten das Gefühl hatte, dringend zurückspulen zu müssen - endlich mal wieder was Klassisches. Kommissarin Herzog (Stefanie Reinsperger) sagt Kommissarinnensätze ("Ich kuck mal im Bad"). Kommissar Faber (Jörg Hartmann) sagt: "Ich hab'n Riesenknall." Diese Selbstcharakterisierung war in seinen Anfangszeiten zutreffend, inzwischen ist er längst zu sich gekommen. Nicht mal der ehemalige Vollfreak Faber ist noch exzentrisch unterwegs im Tatort aus Dortmund, er lässt die Menschen mittlerweile an sich ran. Regisseurin Ayşe Polat genehmigt ihm diesmal sogar eine Affäre.

Die Spur führt in die Pick-up-Szene, in der Männer möglichst viele Häkchen setzen wollen

Es geht schließlich um Nähe in der Episode mit dem zeitgemäßen Titel "Masken", Faber muss sich an Nähe noch gewöhnen, dem Mordopfer in dieser Geschichte bedeutete Nähe nichts. Der Mann - ein Polizist - war offenbar ein Aufreißer, dem's nur um die Zahl der Geliebten ging, also führt die Spur in die Pick-up-Szene, in der Männer gedeihen, die möglichst viele Häkchen setzen wollen an ihr Sexleben. In einem Aufreißer-Seminar brüllt der Obermacker aus voller Hose: "Der Löwe frisst, wenn er Hunger hat. Ich bin ein Mann." Denn: "Wir woll'n ja alle ficken, oder?" Und das erträgt man nur, wenn man die Überzeichnung für einen Teil der Dramaturgie hält.

Das Stück ist konventionell erzählt, dementsprechend nachvollziehbar, hat aber auch Längen zwischendrin. Und der tolle Faber? Vorsicht vor zu viel Tegtmeier im Zweitgeschmack: Der Sonderling , nun angekommen, wird vom Autorenduo Arnd Mayer und Claudia Matschulla ein bisschen zu gewollt zum "Lecker Pils"-Ruhrpottoriginal hochgeschrieben. "Alles auf die gute Hose", "Finger wech von meinem Gulasch", "andere Mütter ham auch schöne Töchter". Es menschelt, und manchmal menschelt's auch zu viel. Wobei der Abschiedsgruß "Halt ihn hoch!" natürlich gut zum Oberthema passt.

Nein, auch am Sonntagabend ist die Welt mal wieder nicht in Ordnung. Aber wenigstens in Dortmund.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

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