"Tatort" Dortmund Abwärts, bis zum bitteren Ende

Ein Kinderspielplatz als Drogenumschlagplatz - Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ermittelt.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

"Verständnis zeigt man nur, solange es einen nicht wirklich etwas angeht": Die Dortmunder Ermittler kümmern sich um Asylbewerber - und damit um Angst und Hass in allen Schattierungen.

Von Holger Gertz

Bemerkenswert dämliche öffentlich-rechtliche Programmkoordination mal wieder: Im Wotan Wilke Möhring-Tatort vor einer Woche spielte der Schauspieler Werner Wölbern eine rassistische Kotztüte, und auch jetzt im Tatort "Kollaps" spielt Wölbern eine rassistische Kotztüte. Dafür ist Wotan Wilke Möhring diesmal nicht dabei, aber sein Bruder Sönke.

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Davon abgesehen stimmt das Timing, auch in Dortmund kümmern sie sich um das Thema Ausländer, Asylbewerber - und damit um Angst und Hass und Fremdheit in allen Schattierungen. Ein Kind stirbt, nachdem es im Sandkasten ein Bonbon gefunden und verschluckt hat. Das Bonbon war tatsächlich ein kleines Päckchen Kokain; der Spielplatz wird von afrikanischen Drogendealern als Treffpunkt und Versteck genutzt. Die mutmaßlichen Dealer tauchen unter, es gibt Tote, und es sieht so aus, als wäre da einer unterwegs, der aufräumt und also Ruhe und Ordnung wiederherstellen möchte, in Dortmund und überhaupt.

Niemand sucht die einfache Lösung

Stammautor Jürgen Werner erzählt auch diese Geschichte mit den strubbeligen Kommissaren, die Episoden bauen aufeinander auf, die Figuren entwickeln sich, im Fall der Jungermittler Daniel Kossik und Nora Dalay kann man durchaus zu der Einschätzung kommen, sie träten inzwischen auf der Stelle. Das dauernde Kokettieren mit den Verhängnissen ihrer On-off-Nummer nervt im Film so wie im richtigen Leben, wenn Leute ausschließlich und langatmig über ihren momentanen Beziehungsstatus lamentieren.

Einzige und einfache Lösung: Trennt euch!

Aber es passt zu den Dortmundern, dass niemand die einfache Lösung sucht. Die Polizei ist überfordert, die Ausländer sind allein und verzweifelt, die Scheinkommunikation zwischen den Gruppen funktioniert nicht.

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"Verständnis zeigt man nur, solange es einen nicht wirklich etwas angeht", sagt ein Mann in diesem aktuellen Tatort, in dem nicht rumgewitzelt wird wie in Münster oder routiniert gegrantelt wie in München oder an der Wurstbude alles in Leichtbier ertränkt wie in Köln. Es geht abwärts, bis zum bitteren Ende. Wem das zu düster vorkommt, der schaue bei Facebook nach oder betrachte die real existierenden sogenannten Bürger mit ihren Hassmasken und selbst gebastelten Galgen.

Nicht nur in Dortmund ist nichts mehr in Ordnung.

ARD, Sonntag 20.15.

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