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"Tatort" Bremen:Die Tücken künstlicher Intelligenz

Und täglich grüßt der Kommissar: Stedefreund (Oliver Mommsen) und Lürsen (Sabine Postel, rechts) in der Wiederholungsschleife.

(Foto: Radio Bremen)

Wer hat's erfunden? Der "Tatort" aus Bremen sieht aus wie ein Remake des Stuttgarter "Tatort" vom August.

Vor zwei Wochen war an dieser Stelle die Rede von einem sonntäglichen Déjà-vu, denn der Polizeiruf aus Rostock erinnerte in seiner organisiert kriminellen Thematik und wegen der sehr missgelaunten Kommissare stark an den Tatort aus Dortmund, den die ARD eine Woche zuvor gezeigt hatte. Um es kurz zu machen: Hätte man schon geahnt, was es an diesem Sonntag zu sehen gibt - diese kleine thematische Wiederholungsschleife wäre nicht der Rede wert gewesen.

Der Tatort mit dem Titel "Echolot" (Buch und Regie: Claudia Prietzel, Peter Henning und erstaunlich viele andere) kommt diese Woche aus Bremen, der Film ist Teil der ARD-Themenwoche zur Zukunft der Arbeit - und erzählt eine nahezu identische Geschichte wie die Episode aus Stuttgart vom 28. August. Der Plot ist so ähnlich, dass man "Echolot" glatt für ein frühes Remake halten könnte, wüsste man nicht, dass beide Filme Anfang dieses Jahres gedreht wurden - und ahnte man nicht, dass die Ursache für die Dopplung wohl weniger in der Zitatkunst zu suchen ist als in der föderalistischen Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Denn was juckt es schon Bremen, was Baden-Württemberg so dreht?

Zwei nur zaghaft unterschiedliche Variationen derselben Idee

Noch ein bisschen absurder wird das alles, als die Episode aus Stuttgart, die nun in der Hansestadt neu aufgelegt wird, ja selbst schon ein Spiel mit Filmzitaten betrieb. Das Stück hieß "HAL" in Anspielung auf das Computersystem aus dem Sci-Fi-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum und erzählte von einer Firma, die zur künstlichen Intelligenz forscht und ein bahnbrechendes Programm entwickelt hat. Die Kommissare sprachen ständig mit Figuren auf Bildschirmen, die sehr menschlich mit ihnen interagierten.

Der Fall in Bremen (eine junge Frau ist in einem manipulierten Auto ums Leben gekommen) erzählt nun von einer Firma, die zur künstlichen Intelligenz forscht und ein bahnbrechendes Programm entwickelt hat. Die Kommissare sprechen ständig mit einer Figur auf Bildschirmen, die sehr menschlich mit ihnen interagiert. In Stuttgart war die unheimliche Zukunft in dieser unheimlichen Firma gläsern und kühl, in Bremen haben die Programmierer ein Faible für Stahl und Holz. Der Plot wirkt in Teil zwei ein bisschen dämlicher, ansonsten sind beide Filme, einschließlich ihrer Auflösung, zwei nur zaghaft unterschiedliche Variationen derselben Idee.

Ob es die ARD-Programmplanung vielleicht doch auch mal mit künstlicher Intelligenz versuchen sollte?

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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