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"Tatort" aus Berlin:Diese Rich Kids wieder

Tatort: Das perfekte Verbrechen

Die Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) in einer Szene des Tatorts "Das perfekte Verbrechen"

(Foto: dpa)

Der neue Berliner "Tatort" dreht sich um Juristenjünglinge, die vor Mord nicht zurückschrecken - und ist 85 von 90 Minuten lang umwerfend.

Reiche Jurastudenten, die meinen, ihnen gehört die Welt, und die so übermütig werden, dass sie auch vor Mord nicht zurückschrecken, das ist die Rahmenhandlung im Berliner Tatort. Da war doch schon mal was. Von Rich Kids mit kaputtem moralischen Kompass handelten schon Laura Wades Theaterstück Posh, der darauf fußende Film Riot Club, Takis Würgers Roman Der Club, um nur eine kleine Auswahl aus den vergangenen Jahren zu nennen. Aber der Regisseurin von "Das perfekte Verbrechen", Brigitte Maria Bertele, und dem Autor Michael Comtesse ist es wohl egal, dass der Rahmen nicht neu ist. Hauptsache, man macht seine Sache gut. Deshalb ist dieser Tatort 85 von 90 Minuten lang umwerfend.

Ja, es gibt Sätze mit dem Geschmack einer gehamsterten Dose Baked Beans, etwa von Benjamin Renz (Anton von Lucke). Der will als Jurastudent ohne geldiges Elternhaus unbedingt in den geheimen Men Only Club an seiner Elite-Uni aufgenommen werden: "Der Club ist meine Chance, verstehst du, so was gibt's kein zweites Mal." Da sind auch gesellschaftspolitische Probleme, die ins Drehbuch geprügelt wurden (Mietpreis, Euro-Rettungsschirm, Obdachlose). Und ey, welche 50-jährige Kommissarin setzt sich nicht wie Meret Becker als Nina "ey" Rubin zur Zeugenbefragung im Schneidersitz auf eine Balustrade?

Das sind die schwachen fünf Minuten. Aber dann ist da noch Franz Pätzold als Theodor Quembach, mit einer Stimme von der Wucht eines Shakespeare-Bösewichts, die einem um die Ohren saust, dass man sich wünscht, der Tatort wäre ein Hörbuch; da läuft der Krimi noch keine zwei Minuten. Anton von Lucke spielt den braven Benjamin wie ein Reh im Scheinwerferlicht, Max Krause den Anwaltssohn-Unsympathen Wolfram Liere als überzeugend selbstgefälligen Sack (alle drei übrigens aus der Münchner Theaterlandschaft zusammengewildert).

Und haben Sie schon mal versucht, in einem Dialog das Wort "Bockbüchsflinte" unterzubringen? Geht jedenfalls gut, als Quembach feststellt: "Ist ja merkwürdig, meine Bockbüchsflinte ist verschwunden", und Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) zurückgibt: "Na, so was aber auch." Waschke und Becker spielen sich mit Würde durch den Hintergrund dieses abgefahrene Marionettentheater. Und sind ein bisschen unmoralischer als sonst. Ist halt anstrengend, dass die Juristenjünglinge so gut über ihre Rechte Bescheid wissen. Am Schluss bleibt nur der Wunsch, Franz Pätzold noch mal schreien zu hören.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ vom 14.03.2020/luch
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