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"Tatort" aus Berlin:Nichts passiert - und trotzdem alles

'Tatort - Das Leben nach dem Tod' im Ersten

Kommissarin Nina Rubin und Rechtsmedizinerin Jamila Marques (Cynthia Micas) begutachten die mumifizierte Leiche von Fritz Irrgang (Klaus Grape).

(Foto: dpa)
  • In der Berliner "Tatort"-Folge "Das Leben nach dem Tod" gelingt es Regisseur Florian Baxmeyer hochemotional, aber dennoch unverkitscht zu bleiben.
  • Die Kommissare Karow und Rubin kommen sich näher - so schön, wie man es am Sonntagabend selten gesehen hat.

Mit dem Thema "Leben nach dem Tod" kennt Regisseur Florian Baxmeyer sich aus, er war es schließlich, der das Bremer Tatort-Team vor Jahren neu beatmet hat. Sabine Postel und Oliver Mommsen waren eigentlich schon erledigte Fälle, aber dann nahm sich Baxmeyer ihrer an und entwickelte als Bremer Hausregisseur viele Geschichten mit dem Duo, einige davon (Er wird töten von 2013) waren Highlights. In jener Folge verliebte sich die Kommissarin, aber der Geliebte wurde dann schnell im Herrenklo erstochen, und Florian Baxmeyer erzählte diese Episode vom Finden und Verlieren zwar hochemotional, aber komplett unverkitscht, eine Kunst.

So ist es auch in diesem Fall jetzt vom RBB, er heißt Das Leben nach dem Tod, und auch hier schärft Baxmeyer mit seiner Autorin Sarah Schnier erst mal das Profil des Ermittlerpaars. Meret Becker als Nina Rubin und Mark Waschke als Robert Karow waren bisher eher exaltiert und ausgesprochen überspannt, nicht jedermanns Sache, aber jetzt kommen sie zur Ruhe, das tut ihnen gut, und es passt auch zur Handlung. Denn das Thema Ruhe wird hier gedanklich umkreist: dass man sie sich wünscht, aber vergeblich herbeisehnt, sogar noch nach dem Tod. "Die Zeit zwischen Tod und Begräbnis ist für die Seele verwirrend", sagt Nina Rubin. "Sie ist von der Vergangenheit und von der Zukunft getrennt. So hab ich das jedenfalls mal gelernt."

Derjenige, der in der Nachbarschaft von Kommissar Karow gestorben ist und von Maden verzehrt wird, war einst in der DDR zum Tode verurteilt worden, eigentlich - aber offenbar hat ein Mensch manchmal auch zwei Leben, die an ihr Ende kommen.

Die Geschichte ist, wie bei Baxmeyer üblich, zum Nebenhergucken nicht geeignet, man muss dranbleiben, aber die Handlungsstränge verbinden sich irgendwann. Sehr geschmeidig wird, zum Jahrestag des Mauerfalls, das deutsch-deutsche Thema der Vergangenheit verbunden mit Druckpunkten der Gegenwart, dem anonymen Sterben in Berlin, einer Stadt, die vereinigt, aber deshalb nicht zur Ruhe gekommen ist. Und, wie immer bei Baxmeyer, enthält die Tragödie auch Komödie, aus der schwarzen Abteilung. "Wenn Blut und Darminhalt in den Estrich gesickert sind, dann haben wir ein richtiges Problem", erläutert die Vermieterin. Nina Rubin berlinert sich durch den schweren Stoff, indem sie manches nur so halbgar zitiert. "Frei nach Lothar Matthäus - hätte, hätte, Fahrradpumpe." Außerdem wird der Begriff "Bummsfallera" aus dem Sprachbaukasten hervorgekramt, was ja sowieso viel öfter geschehen sollte.

Vieles stimmt an diesem Tatort, vieles hat Charme. Die Kamera, der Spannungsbogen, die Besetzung bis zu den Nebenrollen. Und einen Moment gibt es, in dem kommen sich Karow und Rubin tatsächlich näher. Ausgerechnet diese beiden sexuell so aktiven Körpermenschen haben eine Liebesszene, die so intensiv ist, gerade weil eigentlich nichts passiert. Und trotzdem alles. So etwas hat man am Sonntagabend seit Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Constanze Hermann (Barbara Auer) nicht mehr so schön gesehen.

Tatort, Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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