Tatort Berlin: "Großer schwarzer Vogel" Autotür auf, Autotür zu

Stark (Boris Aljinovic, li.) und Ritter (Dominic Raacke) nach einer Verfolgungsjagd.

Man muss nicht jede Figur so wuchtig verabschieden wie die Kölner neulich ihre beste Kraft Franziska. Doch die Kommissare Ritter und Stark erledigen ihren letzten Tatort sehr leidenschaftslos. Kein gutes Zeichen, wenn am Ende die Musik das Beste ist.

Von Holger Gertz

In diesem Tatort aus Berlin ermitteln Till Ritter und Felix Stark, also Dominic Raacke und Boris Aljinovic, zum letzten Mal zusammen, es geht um eine Briefbombe, einen toten Jungen und um einen Moderator aus dem Lokalradio, den die Bombe eigentlich hätte erreichen sollen. Der Moderator hat so eine Nachtsendung, bei der Menschen sich ihm anvertrauen können, und während der Recherchen findet Stark heraus, dass Ritter dort mal angerufen hat: Auf dem Band erzählt er von einer unglücklichen Liebe, die Frau ist gestorben, bevor er ihr das Entscheidende sagen konnte.

Obwohl die beiden Kommissare immer nebeneinander im Wagen sitzen, braucht es also das zufällige Ergebnis einer Ermittlung, um sich kennenzulernen. Der Tatort enthält schöne Gedanken über wechselseitige Fremdheit, aber er enthält auch zu viele routinierte Szenen, die die Kommissare im Dienstfahrzeug und auf dem Weg zum Dienstfahrzeug und neben dem Dienstfahrzeug zeigen. Autotür auf, Autotür zu, Autotür auf, Autotür zu.

Staubige Fragen aus dem Krimiarchiv

Man muss ja nicht jede Figur so wuchtig verabschieden wie die Kölner neulich ihre beste Kraft Franziska. Aber die Berliner - noch zuletzt waren sie in großer Form - erledigen das alles sehr leidenschaftslos. Und die Straßen, über die sie fahren, sind gepflastert mit staubigen Fragen aus dem Krimiarchiv: "Gab es nicht in letzter Zeit zwei Bomben hier in der Gegend?" - "Haben Sie regelmäßige Termine?" - "Gehört Ihnen ein Motorroller der Marke Schwalbe KR 51?"

Sie kommen an Schauplätzen vorbei und an Nebenschauplätzen, wie immer bei den Berlinern wird der Fernsehturm hübsch angestrahlt, und am Ende bleiben nur ein paar Sequenzen in Erinnerung. Ein Ball wirbelt den Staub im schlecht gefegten Treppenhaus auf. Ein Mensch steht in einer palastartigen Schwimmhalle vor dem endlosen Grünblau des Bassins. Und Julia Koschitz sagt: "Es ist schön, mit dir zu reden, wenn du nichts erzählst."

Einsamkeit in allen Aggregatzuständen. Kein gutes Zeichen für die Qualität eines Films, wenn man am Ende schreiben muss: Das Beste ist die Musik. In diesem Fall kommt sie von Nick Cave, "Push the sky away" ist ein unfassbar großartiges Stück. Aber, besser nicht zur Einstimmung schon mal hören. Till Ritter hält nicht, was Nick Cave verspricht.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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