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"Tatort" Berlin:Es geht körperlich zu

Tatort Ätzend Berlin Rbb

Kommissar Karow (Mark Waschke) darf seinen gestählten Oberkörper präsentieren.

(Foto: rbb/Volker Roloff)

Die Berliner Kommissare Rubin und Karow stochern im Moloch der Stadt. Und in den verwirrenden Handlungssträngen dieser Episode.

Das horizontale Erzählen ist im Moment eine angesagte Übung im Mikrokosmos Tatort, man spinnt die Fäden der Geschichten über mehrere Folgen. Das funktioniert bei den Dortmundern dank Faber ganz gut, und Borowskis Wiederbegegnung mit dem stillen Gast Lars Eidinger wird Anfang 2016 ein Ereignis sein. Bei den Berlinern wäre man voreilig, wenn man sagte: Es funktioniert nicht.

"Ätzend" ist ja erst Teil zwei einer auf vier Folgen angelegten Serie von Regisseur Dror Zahavi, aber Teil eins ("Das Muli") kam halt schon im März. Und so gesehen ist das Experiment mit dem horizontalen Erzählen im Tatort immer auch ein Heranführen des Zuschauers an ein neues Sehen. Beim RBB haben sie "Das Muli" nochmals in die Mediathek gestellt, und man sollte sich das vorher anschauen, um diesmal mitzukommen. Ist aber - Jugendschutz - erst von 20 Uhr an möglich.

Eine Pinzette wäre nötig, um den Handlungsstrang zu entwirren

Im Berlin der Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) geht es erneut sehr körperlich zu, es wird gestorben und geboren, beides geht nicht unblutig ab und schon gar nicht ohne Schleim. Menschen, die in Schwefelsäure nur halb aufgelöst werden, hinterlassen Indizien wie Herzschrittmacher, allerdings auch menschliche Überreste von unklarem Aggregatzustand. Karow arbeitet sich mit einer Pinzette durch das, was da vor ihm liegt. Der Tatort als Sendung mit dem Mus.

Spricht nicht für den Film, wenn man sich fragt, warum die Bilder so drastisch sind, Berlin ist ein Moloch, das wissen ja eigentlich schon alle. "Ätzend" ist ein Sozialdrama über Illegale in Berlin. Außerdem schwingen mit: Karows Verstrickungen in seine Vergangenheit bei der Drogenfahndung, Rubins Privatgeschichte mit ihrem Mann, dazu der Binnenkonflikt der Kommissare.

Man bräuchte seinerseits eine Pinzette oder anderes Kleininstrument, um sämtliche Fäden aus dem Handlungsgewirr freizulegen. Es herrscht im Tatort und um den Tatort herum: ein großes Stochern.

ARD, Sonntag 20.15 Uhr.

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