Tatort aus Weimar Hohes Wortwitzniveau, aber kein Pflichtprogramm

Lessing (li, Christian Ulmen) und Kira Dorn (re, Nora Tschirner) zielen. Treffender sind jedoch ihre Pointen.

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau)

Nora Tschirner und Christian Ulmen jagen Jürgen Vogel als Frauenwürger. Relevant ist "Der wüste Gobi" trotzdem nicht.

Von Katharina Riehl

Für die Tatort-Verantwortlichen des Mitteldeutschen Rundfunks geht nicht die allerbeste Woche zu Ende, am vergangenen Samstag erklärte die Schauspielerin Alwara Höfels ihren Abschied aus dem Dresdner Kommissariat ("fehlender künstlerischer Konsens"), drei Tage später wollte dann Ralf Husmann lieber nicht mehr Autor jener Episoden aus Sachsen sein - die gingen, erklärte er, "inzwischen in Richtung eines ganz konventionellen Krimis". Stromberg-Erfinder Husmann war, ähnlich wie Höfels, mal zu Recht der große Stolz des MDR gewesen. Jetzt haben beide keine Lust mehr.

Der Fachkräftemangel beim MDR hat mit dem diesjährigen Weihnachtskrimi nun nicht nur insofern etwas zu tun, als dieser aus demselben Sendegebiet stammt - sondern weil man einen Zusammenhang erahnen kann zwischen den seltenen Episoden aus Weimar und der Konventionalisierung des Tatorts aus Dresden. In Weimar ermitteln seit 2013 Nora Tschirner und Christian Ulmen in sehr oft sehr lustigen Filmen - die Fälle sind weniger klassische Krimis fürs Stammpublikum als Krimisatire auf hohem Wortwitzniveau.

Platz für die großen gesellschaftspolitischen Probleme, die die Sender im Tatort so gern gewälzt sehen, gibt es in den Folgen aus Weimar allerdings nicht. Man könnte nun vermuten, dass Ralf Husmann seine Rolle nicht darin sah, dem MDR in dieser Richtung zu mehr Relevanz im Tatort zu verhelfen.

Jetzt aber zu Weimar, zweiter Weihnachtsfeiertag, "Der wüste Gobi". Das Buch stammt wie immer vom Autorenduo Murmel Clausen und Andreas Pflüger (Regie: Ed Herzog). Jürgen Vogel spielt einen Frauenmörder in der forensischen Psychiatrie, der nach seinem abgelehnten Antrag auf Verlegung aus der Klinik ausbricht und dabei noch eine Krankenschwester erwürgt. Die Kommissare Lessing und Dorn jagen den wüsten Gobi und haben bald auch den forensischen Psychiater im Visier, nachdem dessen Ehefrau in ihrem Krankenbett in Flammen aufgeht. Humoristisch liegt der Fokus diesmal auf der ungeheizten Wohnung des Ermittlerehepaars, in der sich nun wirklich keiner ausziehen möchte - und der Tatsache, dass Kriminalhauptkommissar Lessing den Frauenmördernamen Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili fehlerfrei aussprechen kann.

Der letzte Tatort des Jahres ist kein ausgesprochenes Pflichtprogramm. Aber trotzdem der klare Beweis, dass der MDR Ulmen und Tschirner keinesfalls auch noch verlieren sollte.

Das Erste, Dienstag, 20.15 Uhr.