Tatort aus Münster Auch nicht blöder als andere Filme

Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) versucht, eine kahle Stelle mit seiner Smartphone-Kamera zu untersuchen.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Aber auch nicht besser. Im Tatort "Fangschuss" aus Münster wird einem Reporter ein Haarwuchsmittel zum Verhängnis. Die Handlung kommt jedoch nirgends so richtig an.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Der Tatort aus Münster funktioniert immer wie eine Mottoparty. Es wird ein Thema festgelegt, das - anders als bei herkömmlichen Kindergeburtstagen - zwar bisher noch nie "Dinosaurier" oder "Prinzessin" hieß, aber dieselbe Funktion hat. Alles, was im Film geschieht, wird mit dem Motto verwoben, manchmal elegant, oft aber auch mit der ganz groben Stricknadel. Es gab Münsteraner Motto-Tatorte zum Thema Krebstherapie (ein Mord an einem Pharmazeuten wurde mit einer vermeintlichen Krebsdiagnose Boernes verknüpft), zuletzt machte der heitere Rechtsmediziner einen Tangokurs, während eine Tänzerin ermordet wurde. Diesmal heißt das Motto: Haare.

TV-Kritik Ein Film ohne Seelenschalldämmung
ARD-Film "Über Barbarossaplatz"

Ein Film ohne Seelenschalldämmung

Kölner Nacht, keiner schläft hier durch, noch nie so viele Nackte über vierzig im deutschen Fernsehen gesehen. "Über Barbarossaplatz" könnte zur Reihe werden. Traut sich die ARD das?   Von Claudia Tieschky

Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) vermutet einen altersbedingten Verlust derselben, sein schwuler Friseur hat ihn da nervös gemacht, ihm aber auch den Tipp gegeben, dass bald ein völlig neues, wirkungsstarkes Mittelchen auf den Markt kommen soll. Man ahnt schon, dass dieses Mittelchen nicht nur Haare wachsen lässt, als ein Journalist eine chemische Studie zugespielt bekommt und kurz darauf ein finsterer Herr diesen Journalisten totschießt. Und dann taucht noch eine junge Frau bei Kommissar Thiel (Axel Prahl) auf, die behauptet, seine Tochter zu sein und sich anlässlich der öffentlich-rechtlichen Mottoparty die Haare blau gefärbt hat.

Von einem freudlosen Wortgefecht zum nächsten

"Fangschuss" heißt die Episode, geschrieben von den Münsteraner Hausautoren Stefan Canz und Jan Hinter (Regie: Buddy Giovinazzo), die jetzt auch nicht blöder ist als andere Filme mit Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne, aber besser ist sie auch nicht. Das liegt zum größten Teil daran, dass die Abneigung zwischen den beiden Ermittlern, die einst den Charme dieser Filme ausmachte, so erkaltet ist wie manche alte Liebe. Die Handlung hangelt sich von einem freudlosen Wortgefecht zum nächsten und kommt nirgends so richtig an.

Zum Abschluss, nicht ganz frei von eigener Betroffenheit, die am schönsten dämliche Szene aus diesem eher zähen Tatort: Nach dem Tod des Journalisten sprechen Thiel und seine meist nachnamenlose Assistentin Nadeshda über dessen Vergangenheit und Alkoholkonsum.

Thiel: "Die meisten Journalisten kommen nach einer Flasche Rotwein erst so richtig in Fahrt."

Nadeshda: "Na ja, die saufen aber auch zur Inspiration, (...)."

Ein Dialog zum Haareraufen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

Tatort Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

"Tatort"-Kommissare im Überblick

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

Zwei Mädels in Dresden, ein Pärchen in Weimar und die Münchner seit 25 Jahren. Alles, was Sie über die "Tatort"-Kommissare wissen müssen - in unserer interaktiven Grafik.   Von Carolin Gasteiger und Jessy Asmus