"Tatort" aus Leipzig Kabinett der Lauernden

Außer sich vor Schmerz und Zorn: der Tatverdächtige Christian Scheidt (Uwe Bohm)

(Foto: MDR/Steffen Junghans)

"Wie schief hängt denn der Haussegen bei Ihnen?": Die Leipziger Kommissare Saalfeld und Keppler sind spürbar amtsmüde. An herausragende "Tatort"-Folgen kommt "Blutschuld" nicht ansatzweise ran.

Von Holger Gertz

Die Versuchsanordnung bei diesem Tatort aus Leipzig ist recht übersichtlich. Männerleiche im Schlafzimmer, überall Blut. Man spricht vom Übertöten. Alle haben den Mann gehasst, alle haben ein Motiv. Sein Sohn, frisch aus dem Knast entlassen. Sein Kompagnon, dessen Kind er überfahren hat. Seine Tochter, die von ihm missbraucht worden ist.

"Gibt es in Ihrer Familie irgendwelche Probleme?", fragt Kommissarin Saalfeld (Simone Thomalla), die Wahrheit sanft ummantelnd. "Wie schief hängt denn der Haussegen bei Ihnen?", fragt Kommissar Keppler (Martin Wuttke), leise ahnend, dass alles längst abgestürzt ist.

Regisseur Stefan Kornatz hat wieder den Profiler Axel Petermann als Berater dazugeholt, sie haben schon die herausragende Frankfurter Episode "Es ist böse" von 2012 entwickelt. Auch da tötete der Täter nicht, er übertötete. Der Mörder schlägt und hämmert und sticht und teufelt auf einen längst leblosen Körper ein, "die Entpersonifizierung des Opfers, das ist das Motiv", sagt Keppler. Petermanns Fachterminologie ist herauszuhören, sein Expertenblick wird sichtbar in den Details.

Spuren von Kämpfen auf Leben und Tod

Zerfledderte Körperteile auf Bildern an der Ermittlungswand, abgerissene Fingernägel. Spuren von Kämpfen auf Leben und Tod. Selbst wenn ein Koch in der Küche nur das Schnitzel flachprügelt, steht das in Beziehung zum Thema.

"Blutschuld" ist ein Kabinett der Lauernden. An "Es ist böse" kommt die Geschichte nicht ansatzweise ran, das hat auch mit den Ermittlern zu tun. Damals war das Grauen nicht nur Behauptung. Nina Kunzendorf wurde als Conny Mey von den Blutbildern ins Wanken gebracht, etwas geschah mit ihr: das Cowboyoutfit sah auf einmal unpassend verspielt aus.

In Leipzig ermitteln Saalfeld und Keppler das Ganze routiniert runter. Viel Herumgefahre und Herumgelaufe unterlegt von dräuender Musik, viel Fallbesprechung auf endlos langen Treppen, so nehmen die beiden das Tempo raus. Sie: immer etwas zu bemüht. Er: ewig angekotzt, vom Leben, vom Tatort, von allem.

Es ist der vorletzte Fall von Saalfeld/Keppler, das merkt man. Sie berühren nicht, weil sie sich nicht mehr rühren.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

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