"Tatort" aus Köln Tanz, Mariechen, tanz!

Verfeindete Teamkolleginnen: Natalia Rudziewicz als Annika Lobinger (l.) und Sinja Dieks als Saskia Unger.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Ohne die Karnevalstruppe würde sich in diesem Kölner "Tatort" gar nichts bewegen. Die Nachlese.

Kolumne von Carolin Gasteiger

Die Erkenntnis:

Tanzmariechen ist kein leichter Job. Als wären strenge Trainer und überambitionierte Vereinspräsidenten nicht schon genug, kommen in "Tanzmariechen" noch eifersüchtige Teamkolleginnen und überehrgeizige Eltern hinzu. Inklusive Mobbing und Tabletten wirkt der Kölner Tatort, als wäre er mit konstant erhobenem Zeigefinger geschrieben worden. Nach dem Motto: Obacht vorm Karnevalsverein!

Darum geht's:

In diesem Karnevalsverein gibt es Knatsch, weil die Tanztruppe den Ansprüchen des ehrgeizigen Präsidenten nicht genügt. Der will sein Team ins Fernsehen bringen und nimmt wenig Rücksicht darauf, dass ein Mädchen aus der Gruppe vor wenigen Wochen von der Kölner Südbrücke in den Tod gesprungen ist. Der Vater des Mädchens, Rainer Pösel, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Verein und sorgt damit zusätzlich für Unruhe. Als die Trainerin eines Morgens erschlagen in der Wagenhalle liegt, kommt fast jeder als Täter in Frage.

Nur die Currywurst fehlt

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Bezeichnender Dialog:

Kommissar Schenks Enkelin will sich im Karneval nicht als Prinzessin verkleiden - den Großvater lässt das irritiert zurück.

Schenk: Meine Enkeltochter möchte ein Zombie sein, ich fass' es immer noch nicht.

Ballauf: Hast Du mal mit ihr drüber gesprochen?

Schenk: Ach!

Ballauf: Ja, vielleicht lacht sie auch zu wenig (und als Schenk ihn ungläubig ansieht:) ... Ja. So was vererbt sich auch. Ja.

Top:

Ohne die Tanzeinlagen der Karnevalstruppe würde sich in diesem Tatort gar nichts bewegen.

Flop I:

Ambitionierte Mädchen, die ihre Körper schinden, sich mit Schmerzmittel dopen, intrigieren, mobben und zur Not mit dem fiesen Vereinspräsidenten ins Bett gehen, wirkt als Handlung von vorgestern. Wenn es schon ein Karnevals-Tatort sein muss, wäre ein originellerer Plot wünschenswert gewesen.

Flop II:

Ähnlich altbacken kommen die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk rüber. Ballauf ist notorisch genervt vom Karneval und verwendet notorisch den in Köln verpönten Begriff "Fasching". Sein Kollege Schenk gibt den Spielverderber, als er Assistent Tobias Reisser und seinen Freund knutschend im Präsidium erwischt.

Bester Moment:

Rainer Pösel, der um seine Tochter trauert, poltert wie ein Berserker durch diesen Tatort. Mal schreit er die Kommissare an, mal seine Familie. Erst als seine Frau in Haft ist und er - desillusioniert und im Karnevalskostüm - vorm Fernseher sitzt, gibt er Ruhe und nimmt seinem Sohn Paul sogar in den Arm. Man ist fast gerührt.

Die Schlussszene:

In einem Karnevals-Tatort dürfen Kommissare im Kostüm natürlich nicht fehlen. Der Fall ist gelöst und nun heißt es: "Kölle alaaf!" Ein ziemlich erwartbarer Schluss. Immerhin hat Ballauf Prinzipien. Er sagt bis zum Abspann Fasching statt Karneval.

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

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