Tatort aus Köln Dialoge, direkt aus der Krimi-Hölle

"Bausünden" ist eine Art Reminiszenz an den ersten Tatort mit den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk, der im Jahr 1997 vom selben Regisseur gedreht wurde.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Der neue Tatort aus Köln zeigt, wie man im Jahr 2018 auf keinen Fall mehr einen Fernsehkrimi erzählen sollte.

Von Katharina Riehl

Folge 4/2018

Kommissare: Ballauf/Schenk

Man soll mit Prognosen und Absolutheiten immer zurückhaltend sein (weil man es ja nie genau weiß und dann wird plötzlich doch Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten), aber mit aller gebotenen Vorsicht sei hier gesagt: Viel schlimmer als mit diesem Tatort aus Köln kann es im noch sehr jungen Krimijahr nicht mehr werden. Der Fall ist kein misslungenes Experiment, kein verkünstelter Griff ins Leere - dieser Film ist eine nach dem Baukastenprinzip zusammengeschraubte Antwort auf die Frage, wie man im Jahr 2018 auf keinen Fall mehr einen Fernsehkrimi erzählen sollte.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass der Film "Bausünden" (Buch: Uwe Erichsen, Wolfgang Wysocki) eine Art Reminiszenz an den ersten Tatort mit den Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk sein soll, der im Jahr 1997 vom selben Regisseur gedreht wurde wie jetzt dieser 20 Jahre später. Weil man diese Idee beim WDR offenbar supercharmant findet, darf Kaspar Heidelbach in seinem eigenen Film sogar als Zeuge auftreten. Alle eine große Familie, zum Dreh kam der Intendant auf eine Currywurst vorbei, und die Musik dieses dröhnend langweiligen Films stammt von Klaus Doldinger, dem Komponisten der Tatort-Titelmelodie. Eine bedrohliche Situation weiß Doldinger mit einem entsprechend bedrohlichen Sound kenntlich zu machen.

Die Dialoge kommen direkt aus der Krimihölle, Ballauf und Schenk ermitteln im Fall einer toten Hotel-Rezeptionistin und der verschwundenen Mitarbeiterin eines Architekturbüros, die (auch das Frauenbild stammt aus der Krimihölle) nur Sex im Kopf hat und jetzt von ihrem posttraumatisch belasteten Ehemann gesucht wird. Freddy Schenk also befragt minutenlang eine andere Hotelmitarbeiterin, bis die herausrückt: Die gesuchte Frau hat in jener Nacht mit einem Mann im Hotel geschlafen. Gemeinsam gehen sie in das besagte Zimmer - und Schenk: "Das ist das besagte Zimmer?" Und wenn der Hauptverdächtige einem Wachmann eine Waffe klaut, dann fasst der Kommissar zusammen: "Das heißt, Baumann ist ab jetzt bewaffnet." Fernsehen mit einer Tonspur für Begriffsstutzige.

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Eine gesellschaftspolitische Ebene hat der Film selbstverständlich auch, das Architekturbüro baut Hotels in Katar, schlimm schlimm. So wie dieser Tatort.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.