"Tatort" aus Frankfurt Dieser "Tatort" ist so gruselig wie ein Halloween-Törtchen

Im Haus von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) geht es in diesem Frankfurter "Tatort" merkwürdig zu.

(Foto: HR/Benjamin Dernbecher)

"Fürchte dich" heißt der neue "Tatort" aus Frankfurt. Doch für einen Horrorfilm ist er zu erwartbar - und für eine Parodie nimmt er sich zu ernst.

Von Holger Gertz

Vor wenigen Tagen ist der Tatort "Fürchte dich" einem ausgewählten Kreis von Zuschauern vorgeführt worden. Dem Vernehmen nach hat er den Leuten sehr gefallen, und der anwesende Kommissardarsteller Wolfram Koch sagte, er gehe in den nächsten Wochen auf keinen Dachboden mehr. So sehr hat ihn offenbar der eigene Film gegruselt. Nun kann niemand erwarten, dass die Schauspieler bei der Preview ihre Produktion schlechtreden, dennoch darf man davon ausgehen, dass Herr Koch in Wahrheit jederzeit auf jeden erreichbaren Dachboden gehen kann, denn diese Episode ist ungefähr so gruselig wie die Halloween-Törtchen mit Totenkopfglasur, die saisonbedingt gerade bei den Bäckern in den Auslagen liegen.

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Im Haus von Kommissar Brix (Koch) und dessen Vermieterin Fanny (Zazie de Paris) geht es merkwürdig zu. Ein alter Mann will die Bude in Brand stecken, redet merkwürdiges Zeug und starrt zu einem Fenster hoch. Auf dem zugehörigen Dachboden findet Brix, unter knarzenden Dielen, das Skelett eines Kindes und nimmt es - der Sündenfall! - an sich. Was geschieht von diesem Moment an? "All hell breaks loose" sagen Horrorfreunde in Amerika, wo sämtliche Effekte und Ideen und Jumpscares kultiviert worden sind, die auch in diesem HR-Tatort aufleuchten. Das Haus wird vom Regen umpeitscht wie Bates Motel, Türen quietschen, Lichter flackern, Zeichen stehen an der Wand. Jemand hat schlimm Nasenbluten, und am Ende nutzt einer den Schürhaken fast so entschlossen wie Jack Nicholson in Shining seine Axt.

Zombiekontaktlinsen aus dem Karnevalsladen

Was sich in den Horrorklassikern tatsächlich gruselig anfühlt, bleibt hier Abklatsch. Vermieterin Fanny, ohnehin eine sehr spezielle Kunstfigur, trägt von einem bestimmten Punkt an original Zombiekontaktlinsen aus dem Karnevalsladen und würgt eine als Knebel gedachte Sportsocke herunter, wobei sie grunzende Geräusche macht wie die Untoten immer bei Netflix. An dieser Stelle wirkt der Film von Andy Fetscher (auch Buch, mit Christian Mackrodt) beinahe wie eine (schwache) Parodie auf einen Horrorfilm, aber für eine Parodie nimmt er sich dann doch zu ernst. Und für einen Horrorfilm ist alles zu erwartbar. Wer The Walking Dead gewohnt ist, wird sich bei dieser Nummern-Revue vor Erregung allenfalls am Kopf kratzen. Wenn's gewittert, wirkt es ein bisschen wie früher bei Graf Zahl in der Sesamstraße, man wartet darauf, dass jemand anfängt, irgendwas zu zählen. Und was das Nasenbluten angeht: Bei Jupp Heynckes sah es gerade bedrohlicher aus. Da ist ein Tatort mal wieder von der Echtwelt glatt überholt worden.

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