"Tatort" aus Frankfurt Blick ins Böse

Ciao, Schatz: Die Frankfurter Tatort-Kommissare Charlotte Sänger und Fritz Dellwo waren nie ein Ermittler-Paar, das es nett hatte miteinander. An diesem Sonntag ermitteln sie ein letzes Mal gemeinsam.

Von Claudia Tieschky

Abschied ist ein bisschen wie sterben, heißt es im guten alten deutschen Schlager. Als Aussage ist das natürlich Quatsch, und überhaupt sind Abschiede nur dann jämmerlich, wenn es vorher schön oder wenigstens angenehm langweilig war. Die Frankfurter Tatort-Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) waren nie so ein Ermittler-Paar, das es nett hatte miteinander, und wenn sie langweilig waren, dann war das nicht angenehm, sondern deprimierend. Sie bleich und rothaarig, mutmaßlich während der Mädchenzeit hineingeraten in diesen merkwürdig strengen Ballettratten-Stil. Er der patente Prolo, der Muskeln und viel Herz hat, aber bei dieser Zicke einfach nicht, was auch immer, konnte.

"Am Ende des Tages" ist das Ende des eher ungleichen Ermittlerpaares Dellwo und Sänger: Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki ermitteln an diesem Sonntag ein letztes Mal.

(Foto: dpa)

Sänger und Dellwo, deren Weg als Frankfurter Ermittler an diesem Sonntag endet, waren eines der sprödesten Paare, das sich das deutsche Unterhaltungsfernsehen je ausgedacht hat, inszeniert oft im lichtschwachen, farbarmen Ambiente, in dem sonst Meyrinksche Kohlköpfe gedeihen. Ihr Abschied (Buch und Regie: Titus Selge) ist nicht jämmerlich, er ist großartig.

So beginnt es: Eine Frau und ein Mann im Bett, beide nicht mehr jung, aber anders als bei Sänger/Dellwo stimmt hier die Chemie aufs Schönste, das ganz große Juchzen. Der Mann heißt Rudi Fromm, er hat das Glück gefunden. Und dann nimmt man es ihm wieder weg. Nicht nur dieses Glück, sondern jedes Glück seines Lebens. Stück für Stück, gewalttätig und auf grausame Weise. Als erstes die schöne Geliebte.

Der letzte Tatort des Hessischen Rundfunks mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf hat eine Spannung und eine dramatische Wucht, als würde nachträglich die Erklärung für die ganze Düsternis aller Frankfurter Fälle gereicht. Rudi Fromm ist Chef der Mordkommission, und an seinem letzten Tag vor der Rente, noch ein Abschied, trifft er auf den Killer, der einmal Bankräuber war und nun Rache nimmt für das, was ihm durch den Polizisten Fromm vor Jahren widerfahren ist.

Und während Fromm, der arme Hund, Nervenzusammenbrüche erleidet und einen Herzinfarkt, und an Schmerz und Grausamkeit langsam einfach eingeht - finden die Ermittler Sänger und Dellwo nebenbei zu einer Heiterkeit, fast zu Friedlichkeit. Dass es ihr letzter Fall ist, wird nicht erwähnt, der Film erzählt beiläufig von ihnen, wie von einem alten, merkwürdigen Paar. Dellwo macht nachts den Kühlschrank auf und sieht sie im Dunkeln auf der Büro-Couch sitzen. Er sagt nicht: Wie war dein Tag, Schatz, aber man würde es fast erwarten.

Ein Film mit enormer Wirkung

Es ist der Schauspieler Peter Lerchbaumer als Rudi Fromm, der diesem Film seine enorme Wirkung gibt, ein alter Mann, für den nichts jemals mehr gut wird. Er schaut genau in das Böse hinein. Womöglich ist es die Rache für viele belanglose Fernsehkrimis: Abschied ist ein bisschen wie sterben. Den Ermittler im Hessischen Rundfunk spielt demnächst Joachim Król, der aus diesem Grund am Samstag zum letzten Mal im ZDF als Kommissar Lutter zu sehen ist (20.15 Uhr); auch Ulrich Tukur soll hin und wieder in Frankfurt Tatort-Fälle lösen.

Ein Paar wie Sänger und Dellwo aber wird es im deutschen Fernsehen so schnell nicht mehr geben. Am Ende des Tages heißt ihre letzte Episode, in der sie ein bisschen außen stehen, wie Zuschauer, sie gehen darin zusammen in die Kantine, und Sänger sagt: "Wir könnten nächsten Sommer zusammen in die Ferien fahren". Natürlich konnte das nicht so weitergehen. tyc

Tatort - Am Ende des Tages, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.