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"Tatort" aus Dortmund:Die Realität im Hintergrund

Tatort: Monster

Peter Faber (Jörg Hartmann, rechts) wird zur Rede gestellt. Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) versucht, Schlimmeres zu verhindern.

(Foto: dpa)
  • Der neue Tatort aus Dortmund hat sich ein schwieriges Thema vorgenommen: Kindesmissbrauch.
  • "Monster" mutet dem Zuschauer in eindeutigen Andeutungen zwar reale Brutalität zu, schafft es aber, Opfer nicht auszustellen.

Von Cornelius Pollmer

Der Tatort aus Dortmund hat sich mutwillig in eine gewisse Abhängigkeit begeben von der Figurengeschichte seines Protagonisten Faber (Jörg Hartmann). Weil Fernsehen kein Fußball ist und auch kein Schach, geriet diese Abhängigkeit bislang selten zum Nachteil, obwohl in Dortmund für einen guten Film stets drei Fragen mit Ja zu beantworten sind: Funktioniert die Figur Faber noch? Trägt die Handlung im Sinne des jeweiligen Themas? Harmoniert beides miteinander?

Für "Monster" (Buch: Jürgen Werner, Regie: Torsten C. Fischer) können diese Fragen überwiegend mit Ja beantwortet werden, das war es dann aber auch mit der Harmonie. Das Thema dieses Films ist Pädokriminalität und eine Triggerwarnung ist deswegen ernsthaft angebracht. "Monster" gelingt es zwar, sich in jenem schmalen Bereich zu bewegen, der dem Zuschauer in eindeutigen Andeutungen reale Brutalität zumutet, dabei aber Opfer weder ausstellt, noch in anderer Weise preisgibt. Obwohl diese Brutalität hinter dem zurückbleibt, was es im Berichtsgebiet des WDR in Lügde und Bergisch Gladbach zuletzt zu beklagen, zu beweinen, zu beschreien gab, wird sie einigen Zuschauern zu viel sein und darüber muss niemand urteilen. In "Monster" geht "Mia, 6 Jahre alt" erst verloren und taucht dann in der Livecam eines Auktionsportals wieder auf.

Das ist vielleicht der erste, aber gewiss nicht der letzte Moment, in dem man ausschalten möchte und das liegt weder an ein paar kleineren logischen Fehlern noch an ein paar stumpfen Sätzen und auch nicht an Fabers spezieller Kotzigkeit. Es liegt am Thema, bei dem auch im Tatort das Reale nie gänzlich Hintergrund bleiben kann.

"Können wir das mit dem Zynismus diesmal lassen?", fragt die Kommissarin Bönisch (Anna Schudt) hinter diesem Vordergrund den Kollegen Faber. So ganz gelingt es ihm nicht und das liegt an Fabers dritter Begegnung mit Markus Graf (Florian Bartholomäi), zu dessen gemeinsamer Vorgeschichte sich Gelegenheitszuschauer zuvor besser noch einmal belesen. Dann bleibt ihnen genügend Aufmerksamkeit für mindestens zwei Opfer-Perspektiven, die dieser Film einzunehmen versucht und die einem in Kombination klarmachen, dass Missbrauch häufig lebenslang bedeutet, für Opfer sehr, sehr viel häufiger als für Täter.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ vom 01.02.2020/tmh

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