Tatort Ludwigshafen:Ausgegrenzt

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Tatort Ludwigshafen: Marlon schrie, schlug, wütete. Wirklich? Sozialarbeiter Anton Leu (Ludwig Trepte) mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter).

Marlon schrie, schlug, wütete. Wirklich? Sozialarbeiter Anton Leu (Ludwig Trepte) mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter).

(Foto: SWR/Christian Koch)

Im Ludwigshafener "Tatort" liegt ein Kind tot im Schulflur. Und alle sind überfordert - inklusive der Kommissarinnen Odenthal und Stern.

Von Claudia Fromme

Eine ordentliche Schule in einem ordentlichen Stadtteil von Ludwigshafen. Das Bürgertum schickt seine Kinder in die Bildungseinrichtung, die nach Wilhelm Busch benannt ist. Und da geht die Tragödie schon los. Der Dichter ist ja nicht nur für heitere Reime und Zeichnungen bekannt, sondern auch für pädagogische Grausamkeiten. Wer unartig ist als junger Mensch, dem geht es - rickeracke, rickeracke - an den Kragen. Die bösen Buben Max und Moritz sind am Ende tot, wohlverdient, wie alle meinen, selber schuld, wer sich nicht an die Regeln hält.

In besagter Grundschule liegt ein Junge tot im Flur, er wurde die Treppe hinuntergestoßen. "Haben Sie irgendeine Idee, wer das gewesen sein könnte?", fragt die Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) behutsam die Mutter des Achtjährigen. "Jeder", sagt die Frau desillusioniert. Ihr Junge war kein gefälliges Kind, er galt als "Systemsprenger". Er schrie, er schlug, er wütete. Dafür gab es Einträge, Strafen, Verweise. Aber statt einen weiteren Sozialhelfer einzustellen, setzte das Amt dem Hausmeister einen Überwachungscontainer in den Pausenhof.

In "Marlon" überschreiten alle Handelnden Grenzen. Die Kinder, die immer diesen einen Schritt zu weit gehen, um gehört zu werden. Die Lehrer, die so überfordert sind, dass sie nur noch strafen. Die Eltern der anderen Kinder, die versuchen, den Störer von der Schule zu mobben. Auch die Kommissarinnen sind herausgefordert. Lena Odenthal war nie ein angepasster Mensch, auch sie hat deswegen als Kind die Kälte der anderen gespürt. Sie vergreift sich im Ton, beschuldigt die Falschen. Ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) denkt daran, wie ihre eigenen Kinder sie manchmal aus der Fassung bringen. Aber wer tötet gleich ein Kind, nur weil es anstrengend ist?

Dieser Film, bei dem Karlotta Ehrenberg das Buch geschrieben und Isabel Braak Regie geführt hat, ist weniger ein Krimi als das Psychogramm einer überforderten Gesellschaft. Alles, was den Ablauf stört, wird aussortiert. Geht nicht anders, sind doch alle schon so befasst mit sich selbst. Darüber nachzudenken, das ist das wirklich Spannende an diesem Fall.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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