Süddeutsche Zeitung

ARD-Krimireihe:Viele ungelöste Fälle

Im nächsten Jahre wird es weniger "Tatorte" geben. Aber das liegt nur teilweise an der Corona-Krise.

Dass der Norddeutsche Rundfunk künftig weniger Tatorte zuliefern wird, liegt weniger an Corona als an langfristigen Sparprogrammen. Rund 300 Millionen Euro muss der NDR in den kommenden vier Jahren einsparen. Trotzdem passte die Ankündigung des Intendanten Joachim Knuth gut in die Zeit. Denn auch wenn laut NDR noch keine Entscheidungen dazu gefallen seien, was das für die Ermittler aus Kiel, Hamburg und Göttingen im Einzelnen bedeutet: Die Zuschauer des Tatorts werden sich ohnehin an Programmlücken gewöhnen müssen, mindestens an solche, die durch coronabedingte Drehpausen entstehen.

Beim Bayerischen Rundfunk beispielsweise plant man zwar weiterhin mit der Produktion von drei Tatorten aus München sowie einem aus Franken pro Jahr. Laufende Drehs pausieren aber, so der des zweiten Teils vom Jubiläums-Tatort "In der Familie", in dem Kommissare aus München und Dortmund gemeinsam ermitteln. Auch die Produktion des Franken-Tatorts "Wo ist Mike" sei angehalten. Dieser Tage sei man bei der Gestaltung eines "Wiederaufnahmeszenarios" unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Hygienevorschriften. Man hoffe, "dass die Dreharbeiten, sollte das behördlich gestattet sein, bald fortgesetzt werden können", aber wann die Filme fertig sind und ausgestrahlt werden, ist unklar.

Beim SWR, der für die Tatort-Teams in Freiburg, Mainz, Stuttgart und Ludwigshafen verantwortlich ist, befinde man sich "in der glücklichen Lage", dass man vorausschauend produziert habe. "Bis ins Frühjahr 2021 können wir neuproduzierte Filme und Serien im Ersten und im Dritten senden", heißt es dort. Trotzdem sind auch hier die Tatort-Drehs angehalten, weshalb man wohl 2021 mit Engpässen bei der Ausstrahlung rechnen müsse. Ebenso der WDR, der jährlich weiterhin sieben Filme mit den Ermittlerduos in Münster, Dortmund und Köln zuliefern will. In den letzten Wochen habe man drei Drehs verschoben.

Auch über die Drehpausen hinaus, wird die Corona-Krise den ohnehin bestehenden Sparzwängen bei den Öffentlich-Rechtlichen wohl noch eins draufsetzen. Die Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten dürften mit einer gewissen Beunruhigung zur Kenntnis genommen haben, dass nun auch die geplante Erhöhung des Rundfunkbeitrags in Frage gestellt wurde. Die Ministerpräsidenten hatten sich im März geeinigt, dass der monatliche Rundfunkbeitrag zum ersten Mal seit 2009 steigen soll - von 17,50 Euro auf 18,36 Euro im Monat. Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU forderte am Montagabend, die Erhöhung wegen der Corona-Krise zu verschieben. "Während in Betrieben und Privathaushalten durch die Corona-Pandemie gespart werden muss, darf der Rundfunkbeitrag nicht erhöht werden", heißt es in dem Schreiben an die Ministerpräsidenten der Länder. Allerdings sind die Bundestagsabgeordneten für diese Frage nicht zuständig.

Unmut über die Sparmaßnahmen des NDR gibt es schon jetzt bei hunderten freien Mitarbeitern des Senders. "Viele von ihnen lässt der NDR jetzt im Stich", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von ver.di, DJV und der Initiative "Freie im NDR". Die Sparpläne seien "intransparent, unsozial und für das journalistische Profil des NDR schädlich". Das bittere Fazit lautet: "Zuschauer, Zuhörer und freie Mitarbeiter gucken in die Röhre."

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SZ vom 13.05.2020/cag
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