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"Tatort" aus Berlin:Milieustudie, frisch gemacht

Tatort: Der gute Weg; Tatort rbb Der gute Weg Rubin Karow

Gefordert und überfordert, zu schlecht bezahlt und damit anfällig: So zeigt der Berliner Fall "Der gute Weg" die Polizisten.

(Foto: rbb/Stefan Erhard)
  • Im neuen Berliner Tatort leuchten Nina Rubin und Robert Karow die Straßen des dunklen Berlins aus.
  • Die Polizisten, die dort Dienst tun, werden menschlich vielschichtig gezeigt.
  • "Der gute Weg" läuft am Sonntagabend um 20.15 Uhr im Ersten.

Die Milieustudie kam in der Geschichte des Tatorts öfter vor, inzwischen ist sie seltener geworden: Womöglich haftet diesem Genre der Mief des Gestrigen an. Die Berliner Folge "Der gute Weg" will zeigen, wie das gehen kann: die Milieustudie so frisch machen, dass sie schön mehrdimensional bleibt, nicht larmoyant wird, nicht vorhersehbar.

Regisseur Christian von Castelberg nimmt mit seinem Autor Christoph Darnstädt das Milieu der Streifenpolizisten in den Blick, ähnliche Geschichten wurden 2013 im Münchner Tatort "Macht und Ohnmacht" erzählt und vor allem im Polizeiruf "Der Tod macht Engel aus uns allen", der die Straßen des dunklen München ausleuchtete und dabei sämtliche hilflose Männlichkeitsrituale unter Polizisten sichtbar machte. Diesmal leuchten Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) die Straßen des dunklen Berlin aus, auf denen die Schupos Ordnung schaffen zwischen Dealern, Süchtigen, Gestörten. "Das kleine Kind, das mit süßen Riesenaugen neben der besoffenen Mutter in der Scheiße spielt", sagt ein Polizist. Das ist der Verfall, dem die Polizisten immer schon begegnet sind, hinzu kommt jetzt die Gewalt der Clans. "Das ist nicht mehr meine Stadt", sagt ein Polizist, solche Sätze fallen öfter, während immer wieder Versatzstücke aus der Schlüsselszene gezeigt werden. Streifenpolizisten klingeln, erst geht es um Ruhestörung, dann eskaliert alles, der Bewohner Yakut Yavas schießt, die Polizei schießt, am Ende liegen überall Tote.

In kurzen Rückblenden wird immer wieder an diesen Moment angedockt, allmählich kristallisiert sich dabei heraus, warum passiert ist, was passiert ist. Die Polizisten, das ist eine Stärke des Films, werden in ihrer menschlichen Vielschichtigkeit gezeigt. Gefordert und überfordert, zu schlecht bezahlt und damit anfällig. Peter Trabner ist ein sehenswert gebrochener Polizeihauptmeister, die Sehnsucht nach Vorruhestand ist immer greif- und nachvollziehbar. Und trotzdem fehlt dem Stück bei Weitem die Wucht des Polizeirufs damals, auch weil es zum Ende hin gewöhnlich wird. "Mach keine Schicht und nichts mit Waffe. Mach Gärtner oder Lehrer", sagt der blutende Altpolizist zum blutjungen Kollegen und trägt die Botschaft leider viel zu dicke auf.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.