Talkshow "Halber Bayer"

Ein Format für Weißbiermonologe und Männer mit Lebenserfahrung: Der BR-Stammtisch hat mit dem ehemaligen SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz einen neuen Moderator. Sein Vorsatz? Bloß keine "Schwatzbude".

Von christian mayer

Seit elf Jahren gibt es im Bayerischen Fernsehen ein Format für Männer mit Lebenserfahrung, zu dem sich gelegentlich lebenserfahrene Frauen dazugesellen durften. Der BR-Sonntagsstammtisch ist ausstattungstechnisch schlicht gehalten; man bespricht aktuelle Ereignisse, Politisches und Persönliches live im Wirtshaus des fiktiven Dorfes Lansing, in dem die BR-Serie Dahoam is Dahoam gedreht wird. Das Weißbier, an dem die Diskutanten eher pflichtbewusst nippen, leuchtet verführerisch golden, und man führt ein eher sachorientiertes Gespräch, ohne große Show, aber mit viel Frotzelei und einer tiefenentspannten Unaufgeregtheit: Das war das Erfolgsrezept, das der frühere Focus-Chefredakteur Helmut Markwort, 82, gemeinsam mit dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch und dem Direktor des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, entwickelt hat. Markwort ist seit Herbst 2018 FDP-Abgeordneter im bayerischen Landtag, weshalb der BR-Journalist Tilmann Schöberl interimsweise die Sendung übernommen hatte.

Nun steht fest, wer Markworts Nachfolge antritt: Der frühere Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Hans Werner Kilz, wird am 13. Januar erstmals auf Sendung gehen, pünktlich um elf. Der 75-Jährige, der den Rückhalt der BR-Intendanz genießt, freut sich über die neue Aufgabe: "Wir leben in politisch aufregenden Zeiten, da kann man vieles besprechen - und die Politiker kommen gerne, wenn sie anders als in vielen Talkshows auch mal ausreden dürfen." Der Unterhaltungsfaktor dürfe ebenfalls nicht zu kurz kommen. Zur festen Stammtischbesetzung gehören künftig im Wechsel der frühere Skirennläufer Christian Neureuther, die Kabarettistin Monika Well, die Präsidentin der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft, Evelyn Ehrenberger, sowie der Münchner Professor für Verkehrswesen, Klaus Bogenberger.

Weg von der Männerlastigkeit, das sei ihm wichtig gewesen, sagt der neue Moderator. "Bayerisch, bissig, bunt" - das Stammtischmotto will Kilz, ein großer Fußballfan, dagegen erhalten. Zwar stamme er aus Worms, fühle sich aber längst "als halber Bayer" und in der "weltoffenen Stadt München" zu Hause. Er wolle "meinungsstark und mit provokanten Fragen, aber nicht im Sinne einer Schwatzbude" durch die Sendung führen, die bisher oft gute Quoten erreicht hat. Für den bayerischen Zungenschlag und die Weißbiermonologe sind dann wohl die Gäste zuständig.