"Tagesthemen"-Parodie Der Hofnarr

Die ARD und der Humor. Da war mal was. Da soll wieder was sein. Deshalb wird sich Florian Schroeder am intelligenten Humor versuchen und die "Tagesthemen" parodieren. Zumindest ihm scheint es ziemlich ernst damit zu sein.

Von Hans Hoff

Florian Schroeder will was. Man merkt das gleich, wenn er aus dem Kölner Harald-Schmidt-Studio in seine Garderobe gestürmt kommt. Er hat gerade im Abseits des Bezahlfernsehens ein bisschen Werbung gemacht für das, was kommt. Schroeder nutzt derzeit alle Chancen, die er hat. Er setzt sich und lehnt sich nach vorne. Er fixiert sein Gegenüber genau. Man merkt dem Mann an, dass es ihm um etwas geht. Vielleicht weiß er, dass er auf verlorenem Posten kämpft, aber deshalb lässt sich einer wie Schroeder das Kämpfen noch lange nicht verbieten.

Schroeder ist quasi der Anführer bei einem Himmelfahrtskommando. Er soll der ARD den intelligenten Humor zurückbringen. Er soll die Wüste bearbeiten, in deren leerer Weite der Satire Gipfel als sanfte Wölbung die einzige Unebenheit darstellt. Die ARD und der Humor. Da war mal was. Da soll wieder was sein. Dachte auch Olli Dittrich, dessen Tagesschaum genanntes Konzept nicht zum Zuge kam und der sich im Spiegel ein bisschen über die Ähnlichkeit des nun anstehenden Konzepts zu seiner Erfindung mokierte, was die ARD-Oberen natürlich sofort zurückwiesen.

Das Ernste heißt ein Versuch, der am 20. Dezember nach Dieter Nuhrs Jahresrückblick zeigen soll, ob es sich lohnt, im kommenden Jahr häufiger mal auf Schroeders Tagesthemen-Parodie zu setzen. Wie die genau aussieht, wissen nur wenige, also genau genommen nur jene, die an der Produktion Anfang Dezember beteiligt waren. Einen Vorgeschmack bietet indes ein Clip in der ARD-Mediathek, der von den Akteuren zum Tagesschau-Jubiläum gefertigt, dann aber für das entsprechende Fest nicht rechtzeitig fertig wurde. Sieht man das Filmchen, könnte man auch auf die Idee kommen, dass es durchaus fertig war, dass man aber mit Rücksicht auf die Feiergäste auf die Ausstrahlung verzichtet hat.

Man sieht Schroeder als Günther Jauch, was er sehr schön hinkriegt. Man sieht aber auch etliche halb gare Parodieversuche von offenbar zu Recht eher unbekannten Komödianten und das wohl weltschlechteste Angela-Merkel-Imitat. Dessen Niveau wird nur noch unterboten von der offensichtlichen Weigerung der Maske, dem ein halbwegs merkelartiges Gesicht zu verpassen. "Die Maske ist auf dem Weg", sagt Schroeder und wirkt dabei ein bisschen wie ein Sozialarbeiter, der auch die kleinsten Anzeichen von Bemühtheit zur Glanztat zu veredeln weiß.

"Das ist eine starke Sendung geworden"

"Man darf das nicht mit einer ganzen Sendung verwechseln", warnt er dann noch und verspricht für den Halbstünder, der in dieser Woche on air gehen soll, ein ganz anderes Niveau. "Das ist eine starke Sendung geworden. Man kann sehen, wo es hingeht, wo die Stärken liegen", sagt er und grenzt sich natürlich ab bei der Frage, mit was man Das Ernste denn vergleichen könne. "Wir sind nicht die Heute Show und wir sind nicht Switch reloaded." Da die bisherigen Ausschnitte indes so aussehen, als habe man bei beiden Sendungen gewildert, sich aber nur die schlechtesten Momente zum Vorbild genommen, braucht es viel Glauben an Schroeders Optimismus, um nicht eine Katastrophe zu erwarten.

Schroeder spielt nicht nur Günther Jauch, Jogi Löw, Reinhold Beckmann, Joachim Gauck und Peer Steinbrück, er ist auch der Anchorman der Show. Als solcher will er es nicht übertreiben. "Der Anchorman darf keine Parodie sein. Der Zuschauer braucht diesen Ankerpunkt", sagt er und warnt vor zu viel Albernheit. "Die große Gefahr ist, dass man in die Stoibers und Oettingers abgleitet. Man muss über die Figur etwas über die eigene Zeit aussagen. Letztlich ist sie also ein Mittel zum Zweck."

Ob es nach der Pilotausgabe weitergeht, ist offen. "Ich spüre Rückenwind. Es gibt entsprechende Willens- und Absichtsbekundungen", sagt Schroeder, der bei den ARD-Managern so etwas wie Mut diagnostiziert und auf einen langen Atem hofft. "Es ist die Pflicht des Öffentlich-Rechtlichen, Dingen Zeit zu geben." Es brauche eine gewisse Zeit, "Hofnarr zu werden".

Und dann redet er mit solchem Elan über seine Arbeit, dass man wohl gerne eine Sendung sähe, in der diese Kraft eine angemessene Form fände. Schroeder steht, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, zum Fernsehen. "Mich törnt das an. Ich liebe dieses Medium. Es wahrzunehmen ist für mich Pflicht", sagt er. Das Geraune der Menschen, die nur noch amerikanische DVDs schauen, hält er für einen pseudofeuilletonistischen Ansatz. "Ich gucke sehr viel und finde auch nicht alles schlecht", sagt er und macht deutlich, dass es ihm ernst ist mit diesem Versuch. Sehr ernst. Insofern passt dann am Ende der Titel Das Ernste wenigstens zu seinem Wollen.

Das Ernste, ARD, Nacht zu Freitag 0 Uhr.