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Medienkolumne "Abspann":Nach acht im Urwald

Tagesschau zum Thema Corona

Die Tagesschau ist meistens um 20.15 Uhr vorbei. Wie lange es dauert, bis sie danach in der Mediathek steht, hat der NDR jetzt in einem bemerkenswerten Statement verraten.

(Foto: NDR)

Die "Tagesschau" steht nicht gleich in der Mediathek? Nur die Ruhe.

Von Harald Hordych

Die Zeiten sind schnell geworden, sehr schnell. Ob das zu unserer aller Wohlbefinden beiträgt? ARD-aktuell hat nun ein Statement abgegeben, das sich diesem Zeitgeist widersetzt und so viel Verwunderung wie Bewunderung verdient. ARD-aktuell, das ist die NDR-Redaktion, die für die Tagesschau verantwortlich ist, dafür, wie schnell eine Tagesschau-Sendung in der ARD-Metdiathek abrufbar ist. Das geschieht nicht gleich, sondern nach einer Weile. Auf Twitter schrieb dazu Felix Zimmermann: "Schaffe es nie, die Sendung um Punkt acht anzukucken. Jetzt ist 20.58, und als ,letzte Sendung zum Nachschauen' wird mir in der Mediathek die Sendung von gestern Abend angeboten. Warum?"

Wären doch alle Fragen so gut wie diese. Wir reichten sie einfach weiter: Die Redaktion von ARD-aktuell zeigt in ihrer Antwort Verständnis für das Nutzungsbedürfnis, "die Tagesschau möglichst schnell nach Ausstrahlung im TV auch im Web abrufen zu können". Als Ziel beim Upload nennt ARD-aktuell: gegen 20.30 Uhr. Klingt nicht nach online first. Klingt aber viel besser als 20.58 Uhr! Aber weil man nie wissen kann, gibt's noch was Kleingedrucktes: "Vereinzelt kann es auch mal länger dauern."

Klar, Ehrlichkeit ist sympathisch. Und vielleicht sollten wir alle mal ein bisschen durchpusten, bevor die Hetze weitergeht. Aber so ganz ohne Erklärung klingt das, als hätte Stromberg an dem Tag Dienst gehabt und gesagt: "Nutzer, das Leben ist kein Ponyhof. Also stellt euch nicht so an." Aber nicht aufregen jetzt, bei Twitter bekam der Fragesteller diesen Tipp: "Einfach auf den Live-Stream gehen und zurückspulen." Zurückspulen? Das gibt's noch? Oder konkreter gefragt: Wie lange geht das? Auf der ARD-Seite wird diese Frage so beantwortet: Das Erste "können Sie per Timeshift bis zu zwei Stunden zeitversetzt ansehen." Noch Fragen?

© SZ/hy
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