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SZ-Magazin:Beschönigungen und Unsauberkeiten

2015 hat Claas Relotius zwei Interviews im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlicht. Nach erneuter Überprüfung erwiesen sich beide als journalistisch nicht einwandfrei. Auch der Autor selbst gestand den Betrug.

Im SZ-Magazin hat Claas Relotius zwei Interviews veröffentlicht, bevor er beim Spiegel fest angestellt wurde. Zum einen ein Gespräch mit dem New Yorker Herrenschneider Martin Greenfield, das am 15. Mai 2015 veröffentlicht wurde. Zum anderen ein Gespräch mit den Woodstock-Veteranen Barbara und Nicholas Ercoline, das am 11. September 2015 erschienen ist.

Nach erneuter Überprüfung nach Bekanntwerden der Betrugsfälle beim Spiegel stellte sich heraus, dass beide Interviews Fehler aufweisen und gegen journalistische Standards verstoßen.

Im Falle des Gesprächs mit dem mittlerweile 90-jährigen Martin Greenfield spricht dessen Sohn Tod Greenfield in einem Telefonat mit der Redaktion von "zahlreichen Beschönigungen und Fehlern". Claas Relotius selbst gab am Donnerstag per SMS an die Chefredaktion des SZ-Magazins zu, in dem Interview Passagen "manipuliert" und mit Zitaten aus Greenfields Autobiografie "verdichtet" zu haben. Im Falle des Interviews mit den Woodstock-Veteranen Barbara und Nicholas Ercoline erklären die Interviewten in zwei E-Mails an die Redaktion, dass sie sich in der Veröffentlichung von Claas Relotius massiv missverstanden fühlen. Der Reporter gibt auch hier zu, dass das Gespräch "Unsauberkeiten" enthalte.

Beide Interviews wurden am Donnerstag von der Website des SZ-Magazins entfernt. Die Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert entschuldigen sich bei den Betroffenen: der Familie Greenfield sowie bei Barbara und Nicholas Ercoline, aber auch bei den Leserinnen und Lesern. Obgleich jeder Beitrag im SZ-Magazin durch zahlreiche Hände geht und vielfach geprüft wird, hat Claas Relotius die Redaktion gleich zweimal getäuscht.