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In eigener Sache:Abstand, um Nähe zu zeigen

S und Z halten ab sofort im Logo der "Süddeutschen Zeitung" Abstand. Damit spiegelt das Logo eine Welt, in der fürsorglich handelt, wer Distanz wahrt. Kein leichter Schritt, aber ein notwendiger.

Man hat den Ausspruch, dass nichts mehr ist, wie es einmal war, in der Vergangenheit womöglich etwas inflationär gebraucht. Mit etwas Glück wird man ihn auch im Rückblick auf diese Krise für überzogen halten. Allerdings nur, wenn die Menschen heute akzeptieren, dass für den Moment tatsächlich etliches nicht mehr das ist, was es mal war.

Vieles hat sich ja gerade wirklich verkehrt, vieles ist anders. Nirgends fällt das mehr auf, als bei den Themen Nähe und Distanz - und den sozialen Folgen, die die veränderten Konzepte mit sich bringen. Zusammenrücken heißt Abstand halten. Auch das wäre in normalen Zeiten eine grauenhafte Phrase. Aber es sind keine normalen Zeiten. Solidarität bedeutet gerade eben nicht mehr, vereint zusammenzustehen.

Um das Ganze zu erhalten, muss man die Einzelteile zeitweilig trennen. Liebe zu zeigen kann heißen, den Herzenswunsch des Vaters, der Mutter, der Oma, der Tante, den Geburtstag mit den Engsten zu feiern, zurückzuweisen. Sie nicht zu besuchen. Sie auf Distanz zu halten. "Distanz", womöglich schon jetzt das Wort dieses an großen Worten nicht armen Jahres.

Eine Art "social distancing" der Kernbuchstaben

Die Süddeutsche Zeitung möchte in diesen Zeiten ein Zeichen für Distanz setzen. Für die räumliche, wohlgemerkt. Für den Abstand, der Nähe zeigt und Solidarität. Deshalb sehen Sie das SZ-Logo (auf unseren Social-Media-Kanälen) temporär in veränderter Form. Die sogenannte "Ligatur", die typografische Verschmelzung der beiden Buchstaben S und Z also, wird auseinandergerissen. Eine Art "social distancing" der Kernbuchstaben, könnte man sagen. Auch wenn einige Leser (und auch einige Kollegen hier im Haus) den Anglizismus nicht mögen werden.

Die SZ-Ligatur ist mehr als nur ein Logo. Die Verbindung der Initialen stand auch für die Verbindung von Inspiration und Fachwissen, von Emotion und besonnener Einordnung. Und ja: auch für die Verbindung von süddeutschem Lebensraum und seiner Zeitung. Den Titelschriftzug "Süddeutsche Zeitung", den die Leser jeden Tag auf der Homepage oder auf der Seite eins der gedruckten Zeitung sehen, hatte in seiner Ur-Version 1945 der Architekt und Grafiker Hans Döllgast entworfen. Die Ligatur in ihrer heutigen Form gibt es seit 2012.

S und Z jetzt zu trennen ist also kein leichter Schritt. Es ist aber einer, der typologisch eine Welt spiegelt, in der die sozialen Lücken auf den ersten Blick schmerzhaft klaffen. Und auf den zweiten das genaue Gegenteil ausstellen: Abstand, um Nähe zu zeigen. Beieinanderstehen, aber getrennt. Es bedeutet auch, zu akzeptieren, dass gerade fast nichts mehr so sein sollte, wie es mal war. Damit es wieder so wird.

© SZ.de/tmh
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Von Fabian Heckenberger

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