SWR-Kultur-Chefin Martina Zöllner:Herausforderung Internet

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Beim SWR fielen einige Filme der Dokumentarreihe zum Thema Heimat auf (etwa Die Kinder von der Stohrenschule), die im Januar 2009 startete. Und die SWR-Kooperation in der Reihe Junger Dokumentarfilm mit der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg bringt bei weitem nicht nur, aber oft eben auch, Autorenfilme aus der Welt vor der Tür.

Fernseh-Regionalität, sagt Zöllner, sei manchmal "auf eine ungute Weise das, was man früher affirmativ genannt hätte". Man arbeitet im SWR sehr daran, den Regionalitätsbegriff zu modernisieren.

Die alte Fernsehwelt kracht ohnehin gerade gewaltig zusammen, und Martina Zöllner ("ich bin ja noch ein Kind des analogen Zeitalters") nennt folgerichtig als größte Herausforderung das Internet, das sie beschäftigt, weil es so vieles verändert im Konsum von Fernsehen. Also in der Art, wie Leute an die Programme überhaupt herangehen.

Sie will jetzt Möglichkeiten ausloten: Wo werden die SWR-Programme gesehen und auf welchem Weg? Wenn immer weniger linear geschieht, was heißt das für die Programme? Wie platziert man Programme dort, wo sie möglicherweise gesehen werden, in sozialen Netzwerken zum Beispiel, und dort von Leuten, "die unser Drittes oder überhaupt Fernsehen gar nicht mehr schauen". Die Frage ist auch, wo es sinnvoll ist, Projekte im Internet zu ergänzen (das SWR-Schulfernsehen ist da relativ weit) und wo nicht?

SWR-Chef Boudgoust hat wie inzwischen in nahezu allen Funkhäusern die Vorgabe gemacht, dass die Zukunft trimedial sein müsse, dass Fernsehen, Hörfunk und Internet irgendwann nicht mehr drei Organisationsbereiche sein werden, sondern nur noch Ausspielwege. Wie in anderen ARD-Sendern beginnt man, über die künftige Sinnhaftigkeit einer Trennung zwischen Fernseh- oder Hörfunkdirektor nachzudenken. Trimedialität bedeute, sagt Zöllner, "dass die Strukturen unseres Senders sich auf lange Sicht grundlegend ändern müssen".

Eine Kultur-Errungenschaft des SWR ist dagegen so ganz und gar konventionell, dass sie schon wieder auffällt: Literatur im Foyer, moderiert abwechselnd von Thea Dorn und Felicitas von Lovenberg, ist eine Gesprächssendung am Tisch mit Gästen, Publikum und Büchern, und so etwas muss man sich erst einmal leisten, während andere wild an Literatursendungen herumformatieren.

Das ist ein Fernsehen, das es eigentlich bald nicht mehr geben dürfte. Deshalb, sagt Zöllner, sei es heute eine "Schutzzone".

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