Superhelden im TV:Bürger dieses Planeten, fürchtet euch nicht

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Gotham - Jim Gordon

Gotham erzählt die finstre Vorgeschichte der späteren Gegenspieler von Batman. Mit dabei als Polizist James Gordon: Ex-O.C.-California-Protagonist Benjamin McKenzie (links).

(Foto: Warner Bros. Entertainment, Inc.)

Fantastisches Fernsehen boomt. Jetzt kommen Superhelden wie "The Flash" auch ins deutsche Programm. Ihren Erfolg verdanken die Serien kinotauglichen Spezialeffekten - und Fans, die Schwächen verzeihen.

Von Jürgen Schmieder

Bürger dieses Planeten, macht euch keine Sorgen! Es gibt in dieser schrecklichen Welt da draußen Helden, die euch bereitwillig gegen Angriffe böser Buben und frecher Frauen schützen - und weil ihr die Abenteuer dieser maskierten Mutanten und Milliardäre so schätzt, dürft ihr sie nun ganz bequem vom Fernseher aus verfolgen und müsst nicht mehr ins Kino rennen.

In dieser Woche laufen in Deutschland drei Superheldenserien an, Pro Sieben beginnt am Dienstag mit Doppelfolgen von Gotham und The Flash, am Freitag startet dann Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. bei RTL 2. Außerdem ist von März an die dritte Staffel von Arrow bei RTL Crime zu sehen. Heilige Heldenserien, mag der Fan des fantastischen Fernsehens nun rufen, endlich ist euer Zeitalter im TV gekommen.

Natürlich gab es schon früher die Serien Batman (1966-68), The Amazing Spider-Man (1978-79) oder The Incredible Hulk (1978-82), doch ist die Häufung derzeit auffällig - zumal es nach dem Ende von Smallville im Jahr 2011 vorübergehend nicht einmal in der angestammten Heimat, auf einem der fünf großen Fernsehkanäle in den Vereinigten Staaten, eine Superheldenserie gab. Nun jedoch laufen neben den Serien, die den Weg nach Deutschland geschafft haben, im US-Fernsehen noch Agent Carter und Constantine, für den Frühling sind iZombie und Daredevil geplant, im Herbst sollen Supergirl, Powers, Static und A.K.A. Jessica Jones starten. Andrew Kreisberg, der Arrow und The Flash für den Sender CW produziert, befindet sich zudem in Gesprächen wegen einer Umsetzung der Abenteuer des Helden Atom.

Spezialeffekte fast wie im Kino

Kreisberg glaubt, dass die Spezialeffekte im Fernsehen aufgrund der gestiegenen Produktionskosten von bis zu acht Millionen Dollar pro Folge durchaus mit denen von Filmen mithalten können: "Wir betrachten eine Staffel von Arrow mittlerweile wie einen Kinofilm. Unsere Special-Effects-Abteilung leistet großartige Arbeit - wir drehen in den Wäldern von Vancouver und machen die Leute glauben, es handle sich um eine einsame Insel."

Das jedoch ist laut Kreisberg nicht der entscheidende Grund für die inflationäre Superhelden-Produktion: "Im Fernsehen wird heute viel schneller erzählt - wir müssen schneller zum Punkt kommen, als wir es normalerweise tun würden." Da eignen sich diese Stoffe besonders. Außerdem sind die Zuschauer mit den Geschichten und den Protagonisten der Superheldenserien bereits vertraut. Das erleichtert sowohl die Vermarktung als auch die kreative Umsetzung in den ersten Episoden.

Kreisberg etwa führt in The Flash gleich in den ersten Folgen Antagonisten wie Captain Cold, General Eiling und Reverse Flash ein. Der Superheld entdeckt zudem recht schnell seine gewaltigen Fähigkeiten. Der kleine Skandal, weil seine Freundin nach Ansicht von Comicbuch-Puristen die falsche Hautfarbe hat - die TV-Iris-West ist schwarz -, ist für die Einschaltquoten eher förderlich.

The Flash

Entwickelt nach einem Blitzschlag gewaltige Fähigkeiten: Barry Allen (Grant Gustin) alias The Flash.

(Foto: obs)

Zuschauer und Zeit, um sich selbst zu finden

In Gotham funktioniert das ähnlich: Bruce Wayne ist dem Mainstream-Publikum ebenso bekannt wie Commissioner Jim Gordon, Catwoman, Riddler und Pinguin. Nun wird die finstre Vorgeschichte der Bösewichter erzählt, und wie sie zu den garstigen Gegenspielern des dunklen Ritters werden. Zu Beginn der Serie filmte ihr Erfinder Bruno Heller, soweit die Referenzen ihn trugen - mittlerweile hat sich aus Gotham eine dunkle und faszinierende Serie entwickelt. Das war nur möglich, weil ihr aufgrund bekannter Figuren und der daraus resultierenden Einschaltquoten die Zeit dazu gegeben wurde.

Ähnlich ist es bei Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.: Zu Beginn motzten Kritiker über einfältige und doch verwirrende Handlungsstränge. Auch diese Serie hatte genug Zuschauer und damit Zeit, sich selbst zu finden - mittlerweile gilt eine dritte Staffel als nicht mehr ausgeschlossen.

Superheldenserien haben sich in den USA etabliert und sollen nun auch das deutsche Free-TV-Publikum begeistern. Dieser Erfolg führt dazu, dass auch Streamingportale auf den Hochgeschwindigkeitszug aufspringen, Netflix beschäftigt sich mit mehreren Projekten. Im April erscheint Daredevil, dazu sind die Serien Luke Cage, Iron Fist und Defenders geplant. Das sind großartige Nachrichten für den deutschen Heldenfan: Er muss nicht mehr, wie etwa bei Agents of S.H.I.E.L.D., mehr als ein Jahr warten, bis eine Serie hierzulande zu sehen ist.

Netflix-Programmchef Ted Sarandos verspricht: "Unsere eigenen Serien kommen überall auf der Welt zur gleichen Zeit und in einem Rutsch heraus."

The Flash, Pro Sieben, 20.15 Uhr, danach immer dienstags, 21.10 Uhr. Gotham, Pro Sieben, 21.45 Uhr, danach stets dienstags, 22.10 Uhr. Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D., RTL 2, Freitag, 22.15 Uhr. Anschließend von 14.2. an immer samstags, 20.15 Uhr.

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