Südwestrundfunk "Wir sollten das nicht akzeptieren"

Der SWR-Rundfunkrat fordert bei der Intendanten-Kür mehr Auswahl: Volker Stich will das vorgeschlagene Wahlverfahren kippen.

Von Max Hägler und Stefan Mayr

Volker Stich war Gymnasiallehrer, er beaufsichtigte Schulen und nahm Abitur-Prüfungen ab. Heute ist er Vorsitzender des mächtigen SWR-Landesrundfunkrats Baden-Württemberg und sein Urteil über die bisherige Suche eines neuen Intendanten für den Südwestrundfunk fällt miserabel aus. "Dieses vereinfachte Vorgehen ist relativ ungewöhnlich, wir sollten das nicht akzeptieren", sagt der 68-jährige ehemalige Landesvorsitzende des Beamtenbundes. Das heißt so viel wie: Setzen, Fünf! Bitte alles nochmal von vorne.

Stich will das bislang vorgeschlagene Wahlverfahren kippen und neu festlegen. Konkret: Die Verwaltungs- und Rundfunkräte sollen bei der Intendanten-Wahl im Mai aus fünf Kandidaten wählen dürfen - und nicht nur aus jenen zweien, die von der Findungskommission ausgewählt wurden. Das zwölfköpfige Gremium hatte am Montag offiziell Landessenderchefin Stefanie Schneider und Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke vorgeschlagen. Zuvor hatte es in einer nichtöffentlichen Runde drei weitere aussichtsreiche Bewerber ausgesiebt, ohne die Kandidaten angehört zu haben. Das gefällt Volker Stich nicht: "Es stört mich, dass man keine Vorstellung der fünf besten Bewerber bekommt, sondern nur zwischen zwei Personen wählen darf."

Deshalb werde er Gespräche mit den Mitgliedern von Verwaltungsrat und Rundfunkrat führen. Sein Ziel: Das Kandidaten-Paket vor der Abstimmung noch einmal aufzuschnüren und drei weitere Bewerber aufzunehmen. Dabei handelt es sich um Clemens Bratzler (Vize-Landessenderchef), Jan Büttner (SWR-Verwaltungsdirektor) und Andreas Cichowicz (NDR-Fernseh-Chefredakteur). "Das sind ebenfalls hochkarätige Leute", sagt Stich, "ich bevorzuge, alle fünf Kandidaten anzuhören."

Der Verwaltungsrat und der Rundfunkrat werden in einer gemeinsamen Sitzung am 22. März über das Wahlprozedere beraten. Auch andere Mitglieder der Gremien gehen davon aus, dass die Kandidatenzahl noch erweitert werden könnte. "Die Schlammschlacht ist eröffnet", heißt es auf den SWR-Fluren. Auch Mitarbeiter verstehen die Missachtung dreier Kandidaten nicht. Selbst Noch-Intendant Peter Boudgoust soll bei einer Geschäftsleiter-Sitzung das Verfahren als "unklug" kritisiert haben, weil es intransparent wirke. Offiziell äußert er sich nicht. Boudgoust hatte Ende 2018 überraschend seinen Rücktritt für Mitte 2019 verkündet. Daraufhin wurde die Findungskommission einberufen, mit acht Vertretern des Verwaltungsrats und vier Vertretern des Rundfunkrats.

Konservative Kreise kritisieren, dass der verdiente SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner ausgebootet wurde. Wie es heißt, verlaufe eine Frontlinie zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - die alte geographische Proporzfrage der Zwei-Länder-Anstalt. Dazu kommt eine recht unübersichtliche politische Farbenlehre: Grün-schwarz in Stuttgart, rot-gelb-grün in Mainz. Das macht Entscheidungen eben schwierig in Gremien, in denen auch Vertreter von Parteien und Verbänden sitzen.