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Studie zur Mediennutzung:Soziale Medien immer wichtiger bei jungen Erwachsenen

Reuters Digital News Report

Mehr und mehr Social Media bei den 18- bis 24-Jährigen.

(Foto: imago images/Hollandse Hoogte)

Plattformen wie Instagram und Youtube sind für junge Menschen die wichtigsten Nachrichtenquellen. Die Corona-Pandemie könnte die Entwicklung sogar noch beschleunigen.

Soziale Medien werden für junge Erwachsene in Deutschland bei ihrem Nachrichtenkonsum offensichtlich immer bedeutender. Das geht aus dem neuesten Reuters Institute Digital News Report hervor. Demnach gaben 30 Prozent der befragten 18- bis 24-Jährigen an, dass die sozialen Medien ihre wichtigste Nachrichtenquelle seien.

Das ist ein deutlicher Anstieg: Bei der Befragung im Jahr 2019 hatte der Wert noch bei 22 Prozent gelegen. Zudem gaben dieses Mal neun Prozent in der Altersgruppe an, Nachrichten ausschließlich über soziale Medien zu beziehen - 2019 waren es noch fünf Prozent gewesen.

Zu den sozialen Medien zählt die Studie Plattformen, auf denen Nutzer selbst Inhalte einbringen können, wie zum Beispiel Facebook, Instagram und auch Messenger wie Whatsapp sowie die Videoplattform Youtube. Das Leibniz-Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut (HBI) ist für die deutsche Teilstudie des Reuters Institute Digital News Reports verantwortlich.

Außerdem nehmen die Forscher des Reuters Institute einen sich beschleunigenden Medienwandel wahr. Obwohl der Großteil des Digital News Report auf Daten vor dem Coronavirus basierte, seien die zugrunde liegenden strukturellen Veränderungen, um die es in dem Bericht geht, nach wie vor relevant und wichtig, sagte der Hauptautor der Studie, Nic Newman. "Verlage haben es mit sich schnell ändernden Erwartungen und Verhaltensweisen des Publikums, einer zunehmenden Polarisierung in vielen Ländern und dazu jetzt noch mit einer globalen Pandemie zu tun."

Auch der Direktor des Reuters Institute, Rasmus Kleis Nielsen, sagte: Die Forschungsergebnisse behielten ihre Gültigkeit, der sich abzeichnende Strukturwandel würde durch die Krise sehr wahrscheinlich nur beschleunigt werden. Heißt: eine schnell wachsende weltweite Zunahme des mobilen Nachrichtenabrufs über Smartphones sowie eine sich weiter verstärkende Nutzung sozialer Medien bei der Nachrichtenbeschaffung.

Damit einher geht die Sorge der Menschen vor Fake News. Schon vor der Pandemie gab mehr als die Hälfte der Befragten an, besorgt über den Wahrheitsgehalt von Nachrichten im Internet zu sein. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein Großteil trotzdem immer noch lieber auf kostenlose Nachrichten zurückgreift.

Zwar nimmt die Zahl derjenigen, die für Online-Angebote zahlen, in den meisten Ländern zu, viele sind es jedoch immer noch nicht. In Deutschland etwa informieren sich 70 Prozent der Befragten online, jedoch gaben lediglich zehn Prozent an, dafür auch zu bezahlen.

Das Forschungszentrum der britischen Universität Oxford erstellt jedes Jahr den weltweit umfassendsten Bericht zur globalen Nachrichtennutzung. Die diesjährigen Ergebnisse basieren auf Umfragen in 40 Ländern, darunter mit den Philippinen und Kenia zwei neue. Insgesamt wurden dafür mehr als 80 000 Menschen im Januar und Anfang Februar befragt - also vor der Corona-Pandemie.

In sechs Ländern, darunter auch Deutschland, wurden Anfang April einzelne Teile der Umfrage aktualisiert beziehungsweise um Fragen ergänzt, die Rückschlüsse zu den Auswirkungen der Pandemie auf das Verhalten der Konsumenten zulassen.

© SZ/blani/dpa
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