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Studie über "Bild"-Zeitung:Journalismus-Inszenierung

Das ist eine spezielle Sicht, die der Diekmann'schen Sehnsucht, in einer Liga mit den seriösen Blättern zu spielen, stark entgegenkommt. In Bonn war Bild eher Außenseiter. In Berlin hat sich an diesem Befund, trotz der politischer gewordenen Seite zwei des Blattes, wenig geändert. Erst neulich wollte Bild im Aufzug mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach oben fahren und musste ihm dann bei der Fahrt nach unten zuschauen.

Als Merkmal der Journalismus-Inszenierung werten die Autoren der Studie auch die Fixierung der Bild-Blattmacher auf Exklusivität ihrer Veröffentlichungen. In den einschlägigen Ranglisten der meistzitierten Blätter liegt Bild mit im vorderen Feld oder an der Spitze. Das Boulevardblatt, schreiben sie, ziele auf den "Reputationsgewinn der Exklusivität; ob dabei auch eine relevante Information mitgeliefert wird, ist Nebensache".

Aber der Befund gilt für viele Medien, die zum Beweis ihrer Daseinsberechtigung die Erwähnung in anderen Blättern herbeisehnen (auch die Süddeutsche Zeitung liegt bei solchen Untersuchungen ziemlich weit vorn). Niemand prüft beim Zitate-Ranking, ob Exklusives wirklich exklusiv oder nur recycelte Ware war, und ob etwas stimmt oder nicht stimmt, spielt in den Ranglisten keine Rolle. "Pharisäertum und das Behagen an der eigenen Scheiße" sei "kein Privileg des einen oder anderen Mediums" hat Enzensberger in seinem Bild-Aufsatz vor knapp drei Jahrzehnten festgestellt.

Die Vermarktungsstudie hat also Schwächen. Sie kann aber in der Beschreibung einer angeblichen Auflösung der "Grenze zwischen massenmedialer Veröffentlichung und ökonomischem Produkt" Erklärungen für Vorgänge liefern, die Laien zumindest schwer nachvollziehen können - wie beispielsweise den ökonomischen Erfolg des Blattes.

So ist die Bild-Gruppe die dicke Geldkuh des Axel-Springer-Verlages, obwohl die Auflage der Zeitung seit Jahren stark rückläufig ist. Von einst 5,5 Millionen Exemplaren ist die Auflage von Bild in einem größer gewordenen deutschen Markt inzwischen unter die Drei-Millionen-Grenze gesunken. Der übliche Hinweis des Verlages auf die hohe Reichweite des Blattes und den vergleichsweise stark angestiegenen Vertriebspreis erklärt nicht alles.

Der Verlag macht aus der Bild-Rendite ein Geschäftsgeheimnis. Insider kalkulieren mit einem Jahresgewinn von Bild in Höhe von rund 250 Millionen Euro, was in der Branche ein riesiger Erfolg ist. Diekmann hat diese Zahl vor Monaten in der Süddeutschen Zeitung dementiert, aber die Größenordnung dürfte stimmen.