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Studie über "Bild"-Zeitung:Öffentlichkeitsarbeiter für eigene Wichtigkeit

Diese These ist fast so außergewöhnlich wie der aus verschiedenen Gründen aus der Mode gekommene Hinweis Enzensbergers aus den achtziger Jahren, der einzige ernstzunehmende Rivale des Blattes sei der Quelle-Katalog.

Was immer Bild treibe, schreiben Arlt und Storz, diene "primär der Selbstdarstellung des Blattes und nur als Nebenfolge der Informationsvermittlung". Was an Bild Journalismus sei, habe "eine dienende Funktion, nicht für das Publikum, sondern für die Marke Bild". Das Massenmedium tritt demnach hauptsächlich als Öffentlichkeitsarbeiter für seine eigene vermeintliche Wichtigkeit auf - um Geschäfte zu machen. An Bild gehe kein Weg vorbei, ist die gewünschte Botschaft. Auch für Unternehmen.

Die Studie beschäftigt sich besonders mit der Griechenland-Berichterstattung des Blattes im vorigen Jahr, die immer wieder in der Bild-Frage mündete: "Machen die Griechen den Euro kaputt?" Allein in den Monaten März, April und Mai 2010 widmete die Zeitung nach Zählung der Autoren dem Thema 121 Geschichten, meist auf den Seiten eins und zwei. Danach erschienen noch ein paar Artikel, bis dann die Herbstoffensive gestartet wurde: "Der große Bild-Report" in fünf Teilen "Geheimakte Griechenland. Wie Athen sich den Euro erschwindelte".

Nach den Feststellungen der Autoren "dramatisierte, moralisierte, emotionalisierte, personalisierte" Bild nimmermüde das Thema. Rund zwanzig Sätze mit durchschnittlich 220 Worten habe ein durchschnittlicher Bild-Bericht, lernt der Leser der Studie. Na und? Weit interessanter als diese Zählerei ist die These von Arlt und Storz, die Griechenland-Kampagne sei weniger eine misslungene politische Mission gewesen als ein "Instrument des Reputations- und Markenmanagements": Bild habe sich als Wächter der vermeintlichen Interessen des deutschen Steuerzahlers geriert. Ein politischer Erfolg der Griechenland-Kampagne sei aber von Anfang an zweitrangig gewesen.

Vergeblich haben die Macher der Studie nach eigenen Angaben versucht, den jungen und schon ewigen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann zu interviewen. Zweimal habe Diekmann höflich abgelehnt. Stattdessen haben sie nicht nur viele Bild-Ausgaben ausgewertet und Günter Wallraff interviewt - der 1977 unter dem Namen Hans Esser bei dem Blatt anheuerte und das Enthüllungsbuch Der Aufmacher schrieb - sondern auch sieben weitere Experten befragt. Und da geraten sie ins Schlingern.

"Experte 2" - ein anonym bleibender politischer Journalist, der für "Tageszeitungen und Magazine gearbeitet hat und arbeitet", wird in der Studie so zitiert: "Bereits in Bonn waren die Bild-Leute die Themensetzer...Es ist schon eher die Ausnahme, dass bundesweit die Nicht-Springer-Leute Themen setzen."

"Bild"-Chef Kai Diekmann

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