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Studie:Hausgemacht?

Eine Untersuchung der Universität Oxford zeigt, was Verlagen derzeit am meisten Sorgen bereitet - nämlich nicht die vorgebliche Übermacht der großen Internetkonzerne aus den USA, sondern Probleme, die ihre Wurzel im eigenen Haus haben.

Das Unbehagen der Verlage vor der Macht der Plattform-Giganten wächst. Aber es gibt etwas, das ihnen beim Blick in die Zukunft noch mehr Sorgen macht: die eigene Belegschaft, die Innovation nicht will oder nicht dazu in der Lage ist. Das hat eine Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität von Oxford ergeben, die am Mittwoch erscheint. So sagte etwa ein Verleger aus den USA: "Dafür, dass so viel über Veränderung geredet wird, findet erstaunlich wenig Veränderung statt." Die Gründe dafür seien hausgemacht; Egoismus und mangelnde Bereitschaft der Mitarbeiter zum Wandel.

Knapp 200 Führungskräfte aus Verlagshäusern in 29 Ländern hat das Institut befragt. Über ein Drittel sieht interne Hürden als größte Gefahr für ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 an. Die Angst vor dem Einfluss von Google, Facebook und Co. rangiert erst an zweiter Stelle. Ein Anzeichen dafür, dass die Verlagsbranche gelernt hat, mit den großen Plattformen umzugehen? Das wohl auch wieder nicht, denn 44 Prozent der Befragten gab an, ihre Sorge vor Macht und Wachstum der Plattformen sei in den letzten zwölf Monaten gestiegen, nur 7 Prozent hat weniger Angst als im Vorjahr. Dabei kommt vor allem Facebook bei den Verlegern schlecht weg. Das dürfte neben der grundsätzlichen Problematik, dass das Netzwerk mit Inhalten der Verlage Geld verdient, ohne diese dafür bezahlen zu müssen, auch daran liegen, dass Facebook Änderungen im Aufbau seiner Seite testet, die es Verlagen noch schwerer machen könnten, Nutzer auf ihr eigenes Angebot im Netz zu lotsen.

Beim Geschäftsmodell der Verlage zeigt die Studie, dass Anzeigen an Bedeutung verlieren. "Verlage erkennen, dass sie ihre Einnahmen aus unterschiedlichen Quellen generieren müssen - und zwar bald", sagt Studienautor Nic Newman. Im Schnitt hielten die Befragten sechs Einnahmequellen für wichtig, darunter neben den klassischen Modellen auch Veranstaltungen oder gesponserte Inhalte. Sich nicht nur auf Abos zu verlassen, findet Newman richtig, denn die Bereitschaft, für Nachrichten zu zahlen, sei in den meisten Ländern weiterhin gering.