Studie zu Medien und Corona:Wie Lauterbach Drosten abhängte

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Nicht alle Intensivbetten können belegt werden - die Pfleger fehlen.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)

Eine Studie untersucht die Qualität der Medienberichterstattung zur Pandemie.

Von Aurelie von Blazekovic

Seit bald zwei Jahren nimmt die Menschheit unfreiwillig an einem großen Experiment mit verschiedenen Untersuchungsebenen teil. Die Entwicklung der wichtigsten Frage - der Verlauf der Pandemie - stellt sich in Inzidenzen, Reproduktionszahlen und Todesfällen dar. Eine weitere Ebene - das öffentliche Meinungsbild zur Pandemie - bemisst sich hingegen an der Stimmung in der Bevölkerung, an unserem Interesse für die Entwicklung dieser Riesenmisere, die nicht enden will.

Zu Letzterem kann man viel aus der Berichterstattung ablesen. Zum Beispiel, dass es sich mit der Aufmerksamkeit, ähnlich wie mit den Infektionszahlen, wellenförmig verhielt - jedoch nicht immer synchron. "Zwischen der Intensität der Medienberichterstattung über die Pandemie und der Intensität des Infektionsgeschehens bestand ein eher loser Zusammenhang", ist eine Erkenntnis von "Einseitig? Unkritisch? Regierungsnah?", einer Studie zur Qualität der Medienberichterstattung in der Pandemie.

Erstellt haben diese Medienforscher aus Mainz und München im Auftrag der Rudolf Augstein Stiftung. Mehr als 5000 Beiträge aus elf Leitmedien wurden zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 30. April 2021 ausgewertet, untersucht wurden Beiträge aus Zeitungen, Online-Angeboten und vier Fernsehnachrichten-Formaten. Auch die Süddeutsche Zeitung gehört dazu.

Lauterbach war wohl auch deshalb ein gern zitierter Experte, weil Medien seine harte Linie im Kampf gegen die Pandemie schätzten

Die Qualität der Berichterstattung wurde an sechs Kriterien gemessen: Relevanz, Vielfalt, Sachlichkeit, Richtigkeit, Ausgewogenheit und Einordnung. Heraus kam ein umfassendes und auch kritisches Bild der Corona-Berichterstattung.

In Sachen Vielfalt, so die Studie, habe es eine starke Konzentration auf Politiker gegeben. Seltener wurden Ärzte und Wissenschaftler in der Berichterstattung erwähnt, während von der Infektion Betroffene und Corona-Skeptiker kaum vorgekommen seien. Außerdem: "Unter den im weitesten Sinne wissenschaftlichen ,Pandemie-Erklärern' dominierte lange der Virologe Christian Drosten, der aber zunehmend vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach abgelöst wurde."

Die Forscher merken hier an, dass es sich eher weniger mit Lauterbachs Expertise erklären lasse, dass er ab der zweiten Pandemiewelle zunehmend virologische Experten als Ansprechpartner für Journalisten ablöste. "Vielmehr war Lauterbach wohl auch deshalb ein in den Medien gern zitierter Experte, weil viele Medien dessen harte Linie im Kampf gegen die Pandemie kannten und schätzten."

Wie sollen sich Medien in einer Pandemie verhalten?

In ihrer Bewertung der Gefährlichkeit der Pandemie waren sich Medien insgesamt eher einig. Maßnahmen zur Bekämpfung wurden meistens als angemessen oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet. "Dass die Maßnahmen zu weit gingen, war in den Medien eher eine Minderheitenposition." Vor allem ab der zweiten Pandemiewelle hätten die Medien auch nur noch vergleichsweise selten über negative wirtschaftliche oder gesundheitliche Folgen der Pandemie-Maßnahmen berichtet. "Harsch und ab Oktober 2020 zunehmend harscher" fielen dafür die Urteile über politische Akteure aus.

Wie man diese Ergebnisse nun bewertet, so die Autoren der Studie, hänge maßgeblich davon ab, welche Rolle man Nachrichtenmedien in Krisen zuschreibt. Sollen Medien Kritiker und negative Nebenfolgen von Maßnahmen thematisieren, auch wenn das möglicherweise die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Vorschriften mindert?

Bei aller Notwendigkeit zur Warnung, legen die Autoren abschließend nahe, sei gerade in unsicheren und potenziell gefährlichen Situationen oft mehr mit einer Berichterstattung gedient, "die nicht nur Probleme aufwirft und Fehler der Handelnden kritisiert, sondern auch Erfolge thematisiert und Lösungen aufzeigt".

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