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Streit um Erdoğan-Gedicht:Zahl der Strafanzeigen gegen Böhmermann steigt auf mehrere Hundert

Jan Böhmermann

Hunderte Anzeigen wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten: Jan Böhmermann (Bild von 2012).

(Foto: AP)

Laut der Mainzer Staatsanwaltschaft liegt die Zahl "im oberen dreistelligen Bereich".

Bei der Staatsanwaltschaft in Mainz sind inzwischen mehrere Hundert Strafanzeigen gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann eingegangen. "Die Strafanzeigen bewegen sich geschätzt im oberen dreistelligen Bereich", sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller der Rheinischen Post. Der Zeitpunkt für eine Entscheidung in dem Beleidigungsverfahren lasse sich noch nicht prognostizieren. Die Staatsanwaltschaft will zuvor auch Böhmermann selbst anhören.

Böhmermann hatte in seiner satirischen TV-Show "Neo Magazin Royale" ein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vorgetragen. Die türkische Regierung hatte daraufhin in einer sogenannten Verbalnote an das Auswärtige Amt ein Strafverfahren auf Basis des Paragrafen 103 StGB gegen den Moderator gefordert. Die Bundesregierung erteilte Mitte des Monats eine Ermächtigung zur Strafverfolgung. Zugleich kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, einen Gesetzentwurf zur Streichung des Paragrafen 103 einzubringen.

Wegen der Berichterstattung über den Fall und seine Person macht Böhmermann zurzeit eine Medienpause. Das Neo Magazin Royale soll das nächste Mal am 12. Mai ausgestrahlt werden. Die Radioshow "Sanft & Sorgfältig" mit Olli Schulz will Böhmermann dagegen aufgeben - sie soll künftig nur noch über den digitalen Musikstreamingdienst Spotify laufen.

© SZ.de/KNA/ewid/vit
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