Stoiber berät Pro Sieben Sat 1 Ran an die jungen Wähler

Das Privatfernsehen steht nicht unbedingt für demokratiefreundliche Inhalte wie Nachrichten und Information. So trennte sich Pro Sieben Sat 1 erst im vergangenen Jahr vom Nachrichtensender N24. Doch nun gibt es einen Beirat, der den Sender in in gesellschaftlichen und ethischen Fragen beraten soll. Sein Vorsitzender: Edmund Stoiber.

Von Claudia Tieschky

Es ist lange her und ein bisschen in Vergessenheit geraten, aber als das Privatfernsehen 1984 nach Deutschland kam, war es auch ein politisches Projekt. Die Unionsländer hofften auf eine neue freundliche Meinungsmacht neben ARD und ZDF. Was blieb, war Unterhaltung und alles, womit sich Sender refinanzieren können.

Edmund Stoiber (r.) soll Pro Sieben Sat 1 beraten. Senderchef-Thomas Ebeling (l.) hatte im Juni 2010 den Nachrichtenkanal N24 verkauft.

(Foto: obs)

Womit man sich nicht refinanzieren kann, hat der Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling im Juni 2010 erklärt, kurz nachdem er den Nachrichtenkanal N24 verkauft hatte. Sein Konzern verliere bislang "in Deutschland jedes Jahr circa 50 Millionen Euro mit dem Nachrichtengeschäft. Dieses Problem mussten wir lösen". Politik und Medienaufsicht beschäftigt zunehmend ein anderes Problem. Wie kann man den profitgetriebenen Privatfunk, der viele junge Zuschauer erreicht, stärker auf einen gesellschaftlichen Beitrag verpflichten, also auf Nachrichten und Information?

Einer, der sich gut an die alten Zeiten des Privatfernsehens erinnern dürfte, ist Edmund Stoiber, 70. Der frühere CSU-Ministerpräsident aus Bayern hat während seiner Amtszeit gern kräftig Politik betrieben, was Münchner Medienfirmen nicht schadete. Kürzlich meldete er sich mit Kritik zu Wort: Die Medienpolitik in Deutschland sei festgefahren und bedeutungslos geworden. Das dürfte auch gegen die Strategen der Union zielen.

Stoiber selbst hat nun eine neue Aufgabe übernommen als Vorsitzender eines Beirats, der Pro Sieben Sat 1 in gesellschaftlichen, ethischen und medienpolitischen Fragen beraten soll. Zu dem Gremium, das der Bayer im Auftrag von Konzernchef Ebeling aufgebaut hat, gehören unter anderem Minu Barati-Fischer, der Journalist Dieter Kronzucker (N24), der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz und der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer, CDU.

Als erste Maßnahme des Stoiber-Gremiums will der Konzernvorstand nun mehr Demokratie wagen: 500 000 Euro wurden für ein auf drei Jahre angelegtes Projekt bewilligt, bei dem der Sender in Zusammenarbeit mit Journalistenschulen "Informationssendungen für junge Menschen" entwickeln und diese dann auch im Programm zeigen möchte. Offenbar hofft man dabei auf Sachen wie Stefan Raabs origineller TV Total Bundestagswahl, dort traten 2009 Gregor Gysi, Jürgen Trittin, Franz Müntefering, Christian Wulff, Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg auf. Die Studenten sollen sich auch um Social Media kümmern.

Stoiber appellierte an Politiker, sich zu "öffnen für neue Formen der Politikvermittlung, wenn sie die Wähler von morgen noch erreichen wollen". Privatsender seien mit ihrer "enormen Reichweite" bei jungen Leuten "immer wichtigere Multiplikatoren".

Womöglich wird der eine oder andere Politiker eine neue Bühne in den Programmen aus München finden. Aber auch Pro Sieben kann mit dem Plan geholfen werden: Einiges deutet darauf hin, dass die Rundfunkgesetze bald mit einem Anreizmodell solchen Privatsendern Vergünstigungen gewähren könnten, die gesellschaftliche Leistungen bringen. "Informationsprogramme für junge Menschen", das wäre dann für Ebeling die Zauberformel.

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