Stinkefinger-Aphrodite im "Focus" Freispruch und Ende

Plötzlicher Schlusspunkt in einem langen Prozess: Der Rechtsstreit um das Titelbild des "Focus" vom Februar 2010, das die Aphrodite von Milos mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt, ist abrupt zu Ende gegangen. Im Anklagepunkt "Verunglimpfung von Staatssymbolen" wurde Ex-Chefredakteur Helmut Markwort freigesprochen.

Von Katharina Riehl

Ziemlich genau ein Jahr, nachdem die Oberstaatsanwaltschaft Bremen im Zuge eines Rechtshilfeersuchen eine Strafanzeige von sieben Griechen gegen Mitarbeiter des Focus und dessen ehemaligen Chefredakteur Helmut Markwort verschickt hatte, ist an diesem Dienstag der Prozess in Athen zu Ende gegangen. Wie der Burda-Verlag und der für eine Reisegeschichte bei Focus Online mitangeklagte Journalist Klaus Bötig bestätigten, hat das Gericht zwei Anklagepunkte fallengelassen, im dritten Punkt gab es einen Freispruch.

Helmut Markwort hat sich nach Auffassung des Athener Gerichtes nicht der Verunglimpfung eines Staatssymboles schuldig gemacht. 

(Foto: dapd)

Grund des Rechtsstreits war eine Titelgeschichte des Focus aus dem Februar 2010, in der laut Klage "beleidigende, diffamierende und unrichtige Behauptungen aufgestellt" worden seien. Das Magazin hatte über die drohende Pleite Griechenlands berichtet, auf dem Titel war die Aphrodite von Milos mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen, dazu eine griechische Flagge. Die Titelzeile lautete: "Betrüger in der Euro-Familie".

In den Klageschriften war von Haftstrafen die Rede, und auch wenn man sich schwer vorstellen konnte, dass Helmut Marktwort in einem griechischen Knast landen würde, war das Verfahren so lang und so absurd, dass sein plötzliches Ende für die Beteiligten nun überraschend gekommen sein dürfte.

Vor Gericht ging es um drei Vorwürfe gegen die Angeklagten, um Beleidigung, Verleumdung und im Falle des Titelbildes um die Verunglimpfung eines Staatssymbols.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon im November erklärt, dass es aus ihrer Sicht keine kollektive Beleidigung oder Verleumdung gebe. Am Dienstag nun erklärten die Richter, die Nebenkläger vom Verfahren auszuschließen, eben weil es keine kollektive Verleumdung gebe. Dieses Verfahren wurde eingestellt, ebenso das wegen Beleidigung. Im Anklagepunkt "Verunglimpfung von Staatssymbolen", der sich nur auf Chefredakteur Markwort bezog, gab es einen Freispruch: Das Gericht erklärte, Staatssymbole müssten materielle Dinge sein und nicht nur Bilder davon.