Statt Tatort Weites Land

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Ein Skalp im See, ein Knie im Kieswerk: Im ZDF ermitteln Nina Proll und Karl Fischer in einem Krimi voll schmerzhaft schöner Bilder. Folge zwei der SZ-Sommerkolumne.

Von Claudia Tieschky

Der Tatort macht Sommerpause, das Erste zeigt nur Wiederholungen. Jetzt kann man endlich mal andere Krimis schauen. Denn: Auch andere Sendeplätze haben schöne Ermittler.

Ach was, Ermittler! Sie ist ein Sheriff. Steigt morgens ungewaschen in die Uniform und aufs Motorrad, trägt den halben Tag Pilotenbrille und Lederjacke, geht mit einer Schweigsamkeit herum wie der Held im Western, nur dass es die Weiten Niederösterreichs sind und sich eh alle kennen, also keiner im einfachen Sinn einsam ist oder eben jeder für sich allein heldenhaft einsam, was unter lauter Bekannten ein Kunststück ist, aber in der Gegend sind sie Einsamkeitskönner.

Der österreichische Regisseur Michael Glawogger starb 2014 mit 54 Jahren bei Dreharbeiten in Liberia, er hat im Kino von Megacities und Whores' Glory erzählt und dann ist sein letzter Film einer fürs Fernsehen mit dem Etikett "Landkrimi". Das ist nicht fair. Allerdings ist Nina Proll Sheriff Franzi, Karl Fischer der gemütsanfällige Kollege Michael, Johannes Krisch tritt als ölverschmierter Stenz auf und in eine Nebenrolle kocht Robert Palfrader für Franzi in der Eigenheimsiedlung, dafür schmeißt man jeden Tatort weg.

Wie in der Provinz üblich, wird viel herumgefahren. Landlust gibt es nur mit Benzin, der Sommer ist straßenstaubig und das Essen nicht ohne Bier zu haben. Das Verbrechen kommt von Leidenschaft, Dummheit oder Melancholie. Gelegentlich brunzt einer im Rausch aus Protest das Revier voll. Und im Aquarium vom Restaurant schwimmt ein Ohr, sinkt an den Fischen vorbei auf den Grund. Ein irre schönes Bild. Aber die Schönheit, das ist in diesem Film sowieso etwas, das immer etwas wehtut beim Hinschauen.

An dieser Landschaft arbeitet sich Glawogger ab, ohne sie einfach zu nutzen als Dekor für nette Tatort-Skurrilität, er arbeitet sich daran ab wie an etwas ganz Großem, das viel mächtiger ist als alles, was man selbst davon erzählen könnte. Also erzählt man halt einen Krimi. Es geht um eine Leiche, die sich stückweise zeigt, ein Knochen mit Schuh, ein Knie im Kieswerk, ein Skalp im See. Mit sowas können die Leute umgehen und es legt sich ein Schein von Schmunzelkrimi-Harmlosigkeit über das weite Land.

Die Frau mit einem Schuh, ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr.