"Das Buch von Boba Fett" auf Disney+:Bye-bye Sandwurm, willkommen Marterpfahl

"Das Buch von Boba Fett" auf Disney+: Vielleicht etwas zu nett als Warlords: Ming-Na Wen als Fennec Shand und Temura Morrison als Boba Fett.

Vielleicht etwas zu nett als Warlords: Ming-Na Wen als Fennec Shand und Temura Morrison als Boba Fett.

(Foto: Francois Duhamel; Disney+/Lucasfilm Ltd)

Großereignis im "Star Wars"-Universum: Jon Favreau und Dave Filoni starten ihre Serie "Das Buch von Boba Fett".

Von Tobias Kniebe

Kurz denkt man, der Mann mit dem Helm sei in eine Schlucht gefallen, eingezwängt zwischen schleimigen Wurzeln und fettigen Schlingpflanzen. Aber das bewegt sich alles zu sehr, irgendwas stimmt da nicht, und schließlich begreift man: Die Szene spielt im Verdauungstrakt eines gigantischen Sandwurms. In dessen ringförmiges Riesenmaul voller Haifischzähne ist der Söldner und Kopfgeldjäger Boba Fett hineingestürzt, vor 38 Jahren, als der Film "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" in die Kinos kam. Lange konnte man meinen, damals sei er gestorben.

Aber nein, er lebt, das haben einige Erzählungen aus dem Star Wars-Universum inzwischen bestätigt, zuletzt eindrucksvoll die Serie The Mandalorian auf Disney+. Aber wie genau ist der Mann aus den Magensäften des schrecklichen Sarlacc entkommen, dessen Wüstenwurm-Ahnen gerade auch den Kinofilm Dune kräftig aufmischen? Das erfährt man erst jetzt, in der ersten Folge einer neuen Serie, die ganz diesem enigmatischen Krieger gewidmet ist. The Book of Boba Fett heißt sie und wird bis Februar wöchentlich auf Disney+ fortgeführt. In der Welt von Star Wars ist das ein Großereignis.

Entscheidend ist, dass hier die Macher von "The Mandalorian" wieder am Werk sind

Nicht nur deshalb, weil dem stillen Antihelden in seinem coolen Art-déco-Helm mit dem dunklem Sehschlitz schon immer viele Sympathien gehörten. Entscheidend ist, dass hier die Macher von The Mandalorian wieder am Werk sind, Jon Favreau und Dave Filoni. Diese beiden sind zuletzt Hauptträger der Hoffnungen geworden, dass sich aus dem Erbe von George Lucas doch noch was machen lässt. Denn längst nicht alles, was bisher unter der Fuchtel des Disney-Konzerns entstand, um die Saga fortzuführen, konnte die anspruchsvollen Fans überzeugen.

Favreau mit seiner Marvel-Filmerfahrung und Technikbegeisterung, Filoni als Lucas' Meisterschüler und Gralshüter der unverfälschten Star Wars-Überlieferung - gemeinsam waren sie beim Mandalorian unschlagbar. Wer den Rausch noch einmal auskosten will, den gute Erzähler auslösen können, braucht nur die sogenannten "Reaction Videos" zur bisher letzten Mandalorian-Folge anzuschauen. Da schwebt Luke Skywalker persönlich ein, um Baby Yoda Grogu abzuholen, und den Betrachtern brennen vor Begeisterung alle Sicherungen durch.

Tja nun, damit geht es nun erst einmal nicht weiter, Baby Yodas Schicksal bleibt vorerst ungewiss. Aber dafür sieht man nun eben, wie ein schon fast erstickter Boba Fett mit seiner Feuerfaust den Panzer des Sandwurms durchschlägt und sich mit letzter Kraft ins Freie buddelt. Dort bleibt er erst mal liegen. Die Wüstenschrottsammler mit den rotglühenden Augen erleichtern ihn um seine wertvolle Rüstung, dann nehmen ihn Beduinen vom Stamm der Tusken-Räuber gefangen. Bye-bye Sandwurm, willkommen Marterpfahl.

Im medizinischen Wassertank holen Boba Fett seine Erinnerungen ein

Aber auch das ist schon lange her, denn jetzt springt die Serie in die Gegenwart. Die Qualen in der Wüste sind nurmehr die Erinnerungen des älter gewordenen Boba Fett (Temuera Morrison), der nach Jahrzehnten als kampfkräftiger Erfüllungsgehilfe irgendwelcher Schurken nun endlich sein eigener Herr geworden ist. Auf dem Wüstenplaneten Tatooine hat er sich den Palast seines ehemaligen Chefs Jabba The Hutt unter den Nagel gerissen, indem er dessen Nachfolger und die dazugehörigen Truppen getötet hat.

Gemeinsam mit seiner Partnerin, der ebenfalls recht unbesiegbaren Fennec Shand (Ming-Na Wen), plant er nun ein süßes Leben als Warlord, finanziert von den Tributen und Bestechungsgeldern der umliegenden Wüstengemeinde. Ganz reibungslos klappt das aber noch nicht, für einen echten Unterdrücker fehlen ihm Willkür und Grausamkeit und eine eigene Mördertruppe. Und irgendwer hat auch schon wieder Assassinen ausgesandt, um ihn zu töten.

So sucht Boba Fett gern Ruhe in einem medizinischen Wassertank, in dem sich offenbar der angegriffene Zustand seiner Haut verbessern soll. Und dort holen ihn dann wieder die Erinnerungen ein - etwa der Kampf gegen das sechsbeinige Echsenwesen, das er einst auf der Suche nach Wasser aus Versehen aus dem Wüstensand ausgrub. Lustig war das nicht, aber die Tusken-Räuber sahen ihn danach mit ganz anderen Augen.

Viel mehr kann man aktuell nicht berichten, denn bei Disney+ muss man, wie zu alten Fernsehzeiten, immer eine Woche auf die nächste Episode warten, selbst für die Presse gibt es keine Ausnahme. Eine glasklare Mission, wie sie der Mandalorian vorweisen konnte - "Brrring me de chilllld", hört man an dieser Stelle Werner Herzog schnarren -, hat Boba Fett bisher nicht zu bieten. Ob die ganzen Sympathien also seinem Problem gehören müssen, wie man ein anständiger Warlord wird? Jon Favreau und Dave Filoni ist zuzutrauen, dass sie noch ganz andere Aufgaben für ihn in der Hinterhand haben.

Das Buch von Boba Fett, auf Disney+

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