"Stadt, Rad, Hund" auf RBB Dame mit Hündchen

Berlin ist ihre Stadt: Sprecherin und Moderatorin Bettina Rust unterwegs mit Hündin Elli.

(Foto: rbb/Kobalt Productions)

Bettina Rust ist die begabteste Interviewerin im deutschen Fernsehen - und die unbekannteste. Am Donnerstag starten neue Folgen ihrer RBB-Gesprächsreihe "Stadt, Rad, Hund". Ein Treffen in Berlin.

Von Claudia Tieschky

Im deutschen Fernsehen gibt es so derart viele kleine Kläffer, da ist es vielleicht einfach praktisch, wenn man immer seinen eigenen dabei hat. Im Fall von Bettina Rust ist das Elli, ein dünnes Tier mit einem herzigen Gesicht. Der Vorteil liegt auf der Hand: Arbeitsteilung. Eine Moderatorin mit nettem Hund in der Sendung muss nicht so süß sein und auch nicht kläffen.

Stadt, Rad, Hund darf also die sehr entspannte, sehr angenehme Sendung sein, die sie im RBB ist. Rust radelt darin mit Elli im Körbchen durch Berlin und von einem Interviewpartner zum anderen. Weil das, was in Berlin geschieht, nicht nur für Berlin Bedeutung hat, die Kulturprominenz der Hauptstadt über ihren Kiez hinaus interessant ist, hat der RBB hier nicht nur eine Fernsehsendung für die Stadt, sondern auch für den Erdkreis.

Daniel Brühl in Kreuzberg, Sarah Wiener auf dem Spreeboot, Hanns Zischler in Spandau, Inga Busch in Moabit, Oskar Roehler in Schöneberg, Kardinal Rainer Maria Woelki im Wedding - das ist so die Besetzung für die zweite Staffel.

Die Liebe sieht aus, wie die Liebe oft aussieht, ein wenig kurios. Der kleine dürre Köter und die Frau mit dieser wahnsinnigen Stimme, halbdunkler, voller Klang, oft langsam, sehr sinnlich, auch wenn sie mit dieser Stimme extrem sachliche Dinge sagt.

Bettina Rust fing früh beim Radio an. Möglicherweise war sie anfangs sogar zu jung für diese Stimme, obwohl da immer auch etwas war, das der Frau mit der Tonlage, von der Männer träumen, bis heute etwas Unberechenbares gibt. Schlagfertigkeit. Angriffslust. Das Fabulieren. Das ist der Teil von ihr, zu dem der Kindername passt, mit dem sie sich vorstellt: Ich bin Betty. Diese Stimme hat sie lange wie in einer nächtlichen Kapsel gehalten, im Labor, im abgedunkelten Studio ohne Tageslicht.

Rauchend mit roten Lippen im Studio

Es begann 1994 beim Bezahlkanal Premiere mit 0137 Nighttalk, eine Art Radiosendung vor der Kamera, man kannte das in Deutschland noch kaum, es kam aus Amerika und hieß Call-in. Ein Moderator spricht mit den Leuten da draußen, so einfach ist das. Hörer können alles Mögliche sein: Langweiler, kluge Leute, Spinner. Man hört alle diese Leute und sieht nur Betty Rust.

Sie hatte einen Pagenschnitt und trug Blazer mit großem weißen Kragen oder Lederjacke (es waren die Neunziger). In ihrer letzten Sendung sang ein Anrufer ein Lied für sie, und es blieb offen, ob sie das mochte. Es gibt kurze Schnipsel im Netz, wie die junge Betty mit roten Lippen im Studio raucht.

Berlin wurde ihre Stadt an einem sonnigen Tag vor sechzehn Jahren, als sie zu einem Casting eingeladen war. Sie kam aus Hamburg, saß an der Goltzstraße bei Freunden vor dem Laden und trank Kaffee. "Und da habe ich gedacht: So. Nächste Woche ziehe ich nach Berlin."

"Wie ein kleiner Kläffer"

Man kommt nicht umhin, ihr eine gewisse Trennungsbereitschaft zu unterstellen. Trotzdem sagt sie: "Ich bin kein Vagabund, ich muss nicht ständig überall neu anfangen." Beweis: Sie lebt bis heute in Berlin in derselben Wohnung.

Bettina Rust ist früh von zu Hause ausgezogen, erst 16 Jahre alt, die Gründe dafür erzählt sie mit schnellen Sätzen, die auf einen hinauslaufen: "Ich fühlte mich befreit." Sie hat Kommunikation und Marketing studiert und danach viele Rollen ausprobiert, bei Kabel 1, beim Frauensender tm3, immer mit dem Risiko, auch mal das Falsche zu tun. Das konnte sie, weil die Stimme das Grundeinkommen sichert. Sie arbeitet immer noch als Sprecherin, ein solides Leben vom Mund in die Hand.

Der berühmteste war auch der schrecklichste Moment ihrer Karriere. Das war 2005, und sie moderierte die Sat-1-Sendung Talk der Woche. Nie wieder hat Bettina Rust so verspannt gewirkt wie damals, als sie mit Markus Söder oder Gregor Gysi über Politik sprechen sollte.

Das war eine Idee von Senderchef Roger Schawinski, der habe es unbedingt gewollt. "Ich glaubte zu wissen, was er da in mir sieht, aber ich wusste auch, dass die Politik nicht das Wasser ist, in dem ich sicher schwimme. Alles in mir sagte Nein", aber irgendwann sagte Rust Ja. "Ich wusste einfach nicht, stimmt mein Bauchgefühl oder ist das die Angst vor der Herausforderung."

Die Sendung war ein Fiasko, und als sie nach zehn Ausgaben eingestellt wurde, war sie "einfach nur erleichtert". Es war Superwahljahr, sagt sie, lacht. "Und da war ich - wie ein kleiner Kläffer."