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"Spreewaldkrimi - Die Tote im Weiher":Geheimnisvolle Psycho-Experimente

Verflixter siebter Fall: Der aktuelle Krimi der "Spreewald"-Reihe muss Erwartungen erfüllen, die die mehrfach ausgezeichnete sechste Folge geweckt hat. Das gelingt mit geschickt eingesetzten Rückblenden - und verbotenen Pilzen.

Es ist Nacht, es ist Herbst, Nebel hängt im Spreewald. Eine junge Frau läuft in Pyjama und Wollsocken durchs Dickicht. Am Ufer eines Sees macht sie halt, geht langsam ins Wasser. Bei Tag findet die Polizei ihre Leiche. Fünf Jahre zuvor hatte die Frau bei einem Autounfall ihre neun Monate alte Tochter verloren. Offensichtlich hat sie den Unfall verursacht, ihrer Therapeutin hatte sie immer wieder erzählt, dass sie vom Tod ihres Kindes träumt.

Doch dann offenbart die Obduktion, dass sie halluzinierende Pilze eingenommen hat. Pilze, die bis Ende der 1960er-Jahre in der tiefenpsychologischen Behandlung eingesetzt wurden. Ist Carola Kubitz (Anna Maria Mühe) das Opfer längst verbotener Psycho-Experimente?

Der Kommissar, die Therapeutin und der innere Friede

"Die Tote im Weiher" ist der siebte Film in der Spreewaldkrimi-Reihe, die seit 2006 im ZDF läuft. Die sechste Folge, "Mörderische Hitze", haben im Mai mehr als sechs Millionen Zuschauer gesehen, ein Marktanteil von erstaunlichen 19 Prozent. Und dann war dieser Krimi auch noch der große Gewinner bei der Preisverleihung der Deutschen Akademie für Fernsehen im September. Nominiert in sechs Kategorien - Schauspieler, Drehbuch, Regie, Kamera, Schnitt, Musik - und alle Preise kassiert.

Entsprechend hoch ist nun die Erwartung an den Autor Thomas Kirchner und an die Kino- und Fernsehregisseurin Sherry Hormann (Bella Block, Wüstenblume). Sie werden ihr gerecht, auch "Die Tote im Weiher" ist gelungen: Anna Maria Mühe überzeugt mit ihrem blassen Gesicht und den zarten Blümchenmusterkleidern als zerbrochene, traumatisierte Frau. Auch sind die zahlreichen Rückblenden, wie schon im Vorgängerfilm, geschickt in die Gegenwartshandlung verwoben.

Und der Standardsatz deutscher Krimis - "Wo waren Sie an dem Abend?" - fällt hier nicht gleich zu Beginn, nach Entdeckung der Leiche, sondern erst in der 59. Minute. Auch das ein Qualitätsmerkmal; aber man hätte auch ganz auf ihn verzichten können.

Die Provinz ist nur Kulisse

Kommissar Krüger (Christian Redl) beginnt seine Recherchen in der Praxis der Psychotherapeutin Jenny Trumaschek (Birge Schade). Ausgerechnet er, der nichts von Psychotherapie hält, ist auf die Kooperation mit einer Therapeutin angewiesen. Das nervt ihn. Er zieht sich zurück in sein Wohnmobil am Fluss, grübelt dort bei einer Flasche Hochprozentigem, begibt sich angetrunken mitten in der Nacht zum Ort des Autounfalls.

Seine Begründung: "Der Unfall ist auch nachts passiert." Überhaupt passiert Wichtiges vor allem in der Dunkelheit der Nacht, schließlich handelt es sich bei der Reihe, so das ZDF, um "geheimnisvoll-verrätselte Filme". Die Spreewaldreihe fällt, der Name sagt es, in die Kategorie Provinzkrimi, und entsprechend haben sie alle ihren Part in dem Drama: die Bürgermeisterin, der Kommunalpolitiker, der Geschichtslehrer, der Polizist. Aber die Provinz wird hier nicht zelebriert, sie ist bloß Kulisse, nicht elementarer Teil der Handlung.

Der Fall klärt sich auf zwischen Laienschauspielbühne und Trumascheks Praxis, wo Kommissar Krüger dann auch Frieden schließen kann mit dem Psychozeugs.

Spreewaldkrimi - Die Tote im Weiher, ZDF, 20.15 Uhr.

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Quelle:
SZ vom 17.11.2014
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