Sportrechte im Fernsehen:Das ZDF bangt um die Champions League

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BESTPIX - Club Atletico de Madrid v Real Madrid CF - UEFA Champions League Semi Final: Second Leg

Teure Ware: Das Halbfinalspiel der Champions League zwischen Real und Atletico Madrid.

(Foto: Gonzalo Arroyo Moreno)

Ob Fußball oder Olympia: Der Kampf um Senderechte wird härter. Der Leidtragende dabei ist der Zuschauer.

Von Caspar Busse

Noch wird hart gerungen. Vergeben hat der europäische Fußballverband Uefa die Fernsehrechte für die Champions League noch nicht. Es gebe einen "laufenden Verkaufsprozess", heißt es nur. Die Gespräche sind offenbar sehr kompliziert, denn eigentlich wollte die Uefa schon lange einen Abschluss verkünden, die Frist für die Angebote war bereits Anfang April abgelaufen.

Der Kampf um Sportrechte im Fernsehen wird immer härter. Es geht um viel Geld, denn Live-Rechte an großen Sportereignissen sind attraktiv, gerade für Fernsehsender, die mit den Folgen der Digitalisierung kämpfen. Sie sichern in einer Fernsehwelt, die sich immer weiter aufsplittet, nach wie vor hohe Einschaltquoten. So konnte die Deutsche Fußball Liga (DFL) zuletzt einen neuen Rekordpreis für TV-Rechte erzielen. Der US-Konzern Discovery wiederum hat sich für 1,3 Milliarden Euro die Olympischen Spiele gesichert. Für die Champions League sind bis zu 600 Millionen Euro für drei Saisons an im Spiel.

Für die Zuschauer hat das Konsequenzen, es wird komplizierter und teurer. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Champions-League von Mitte 2018 an vor allem oder ausschließlich im Bezahlfernsehen zu sehen sein wird. Bislang werden alle Partien von Sky sowie 18 Begegnungen auch vom öffentlich-rechtlichen ZDF übertragen. Die Anzeichen mehren sich, dass die Mainzer diesmal nicht mehr zum Zuge kommen. "Das ZDF hat Anfang April ein Angebot abgegeben, das weiter Bestand hat", sagt zwar ein ZDF-Sprecher. Doch offenbar haben die beiden anderen Bieter - Sky und die Streaming-Plattform Dazn - bessere Offerten unterbreitet.

In Großbritannien oder in Frankreich ist die Champions League schon im Bezahlfernsehen verschwunden

Geschätzt etwas mehr als 50 Millionen Euro zahlt das ZDF derzeit pro Jahr. Angesichts der Diskussionen um Gebührenerhöhungen und um Sparmaßnamen im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk ist eine deutliche Anhebung der Summe kaum vertretbar. Andererseits würde ein Verlust der Rechte für das ZDF herbe Einbußen bei den Quoten bedeuten. Das Spiel des FC Bayern München gegen Real Madrid haben beispielsweise mehr als neun Millionen Zuschauer gesehen. Solche Abende schlagen auf die Gesamtquote des Senders durch und damit auf die Erfolgsbilanz.

Künftig müssten die Zuschauer dann für Champions-League-Livespiele zahlen. Sky hat derzeit knapp fünf Millionen Abonnenten. Die Plattform Dazn, die zur britischen Perform Group gehört (ihrerseits mehrheitlich in Hand der US-Beteiligungsgesellschaft Access Industries des Milliardärs Leonard Blavatnik) baut ein Angebot gerade erst auf. Unklar ist, wie die Rechte zwischen den beiden Anbietern aufgeteilt werden könnten. In Großbritannien oder in Frankreich ist die Champions League schon im Bezahlfernsehen verschwunden. Sponsoren und Werbepartner sehen das kritisch, sie werden dann deutlich weniger wahrgenommen. Die Uefa sei sich der Verantwortung für den deutschen Markt bewusst und prüfe alle Optionen, hieß es - klingt nicht wie eine Bestandsgarantie.

Dass das Ringen auch nach dem Zuschlag weitergeht, zeigt sich derzeit bei der Fußball-Bundesliga. Die Pay-Rechte gingen an Sky und an den US-Konzern Discovery, der unter anderem den Sender Eurosport betreibt. Als Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Eurosport in Deutschland, an diesem Dienstag ihre Pläne vorstellen wollte, stand sie mit leeren Händen da: Noch immer steht nicht fest, wie der Bezahlsender Eurosport 2 künftig verbreitet wird. Verträge, mit Sky, mit den großen Kabelnetzbetreiber oder der Deutschen Telekom gebe es noch nicht.

Eurosport kann von August an 45 Bundesliga-Partien zeigen, 30 am Freitagabend, jeweils fünf Spiele am Sonntag und am Montag, sowie die Relegationsspiele und den Supercup, der zwischen dem Deutschen Meister und dem Pokalsieger ausgespielt wird. Diese - wie auch Zusammenfassungen der Höhepunkte des jeweiligen Spieltags - würden künftig auf dem Bezahlsender Eurosport 2 gezeigt, sagte Aigner-Drews. Als Experte wurde Ex-Bayern-Vorstand Matthias Sammer verpflichtet.

Bislang ist nur sicher, dass das Bundesliga-Angebot im Internet per Live-Stream über den kostenpflichtigen Eurosport Player zu sehen sein wird. Offen ist dagegen, ob der Sender auf anderen Plattformen verbreitet wird, oder ob sich der Zuschauer, der alle Spiele sehen will, einen neuen Dekoder zulegen muss. Derzeit fände ein Dialog mit Sky nicht statt, sagte Aigner-Drews. Das wird in der Branche allerdings bestritten. Es ist nicht der erste Schlagabtausch zwischen den beiden Unternehmen. "Wir waren uns bewusst, dass das keine leichten Verhandlungen sein werden", sagte Aigner-Drews dazu. Aber Eurosport habe dabei "sehr großes Selbstvertrauen"; vielleicht ist das auch das Problem.

Eurosport-Mutter Discovery hatte auch die Rechte an den Olympischen Spielen von 2018 bis 2024 gekauft, Verhandlungen über eine Weitergabe an ARD und ZDF scheiterten, auch hier gingen die Öffentlich-Rechtlichen leer aus. "Es wird mehr Olympia als je zuvor geben", versprach Eurosport-Managerin Aigner-Drews trotzdem. Die Winterspiele in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang im Februar 2018 würden in Deutschland vor allem auf den drei frei empfangbaren Sendern Eurosport 1, Dmax und TLC gezeigt. Im Bezahlsender Eurosport 2 sei in erster Linie Eishockey zu sehen. Als Olympia-Expertin wurde die Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma gewonnen.

Eurosport werden bei den Olympischen Spielen kritisch berichten, etwa bei möglichen Doping-Themen, versprach Konzernchef Peter Hutton: "Es ist wichtig, dass wir als Journalisten glaubwürdig sind."

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