"Spitting Image":Latex und Macht

Deutsche Variante von ´Spitting Image"

Die Puppenversion von Angela Merkel.

(Foto: dpa)

Im Herbst startet ein deutscher Ableger der britischen Satire-Sendung "Spitting Image".

Von Harald Hordych

Die wörtliche Übersetzung von "Spitting Image" ist harmlos. "Zum Verwechseln ähnlich" lässt nicht erahnen, was bei diesen Latexprominenten alles los sein kann. Boris Johnson und Donald Trump waren gewiss nicht unbeteiligt daran, dass die Satiresendung nach einer 24-jährigen Pause 2020 in Großbritannien ihren Dienst wieder aufgenommen hat. Die neuen Macher hatten das Glück, mit den beiden zwei abgedrehte Persönlichkeiten ins Rennen zu schicken. Auch Putin darf nicht fehlen - gemeinerweise als Miniversion eines Supermachos, der, kaum einen Meter groß, in der Sauna Johnson und Trump an den Bauchfalten zieht, als er mit zwei Blondinen auftaucht.

Zwei Deutsche sind aktuell auch dabei: klar, Angela Merkel und der Trainer des FC Liverpool, Jürgen Klopp.

Thatcher und Reagan waren immerhin noch knallige Vorbilder

Aber da kommt noch mehr auf uns zu. Ab Herbst wird es, wie Sky bekannt gab, "passend zur Bundestagswahl" eine Staffel von Spitting Image als eigenen deutschen Ableger mit 20 neuen deutschen und österreichischen Figuren geben - als deutsch-britische Co-Produktion, den deutschen Part übernimmt Redseven Entertainment. Neben Angela Merkel und Jürgen Klopp stehen dann unter anderem Latexpuppen von Annalena Baerbock, Markus Söder, Armin Laschet, Barbara Schöneberger und Thomas Müller bereit, aber auch der österreichische Kanzler Sebastian Kurz ist dabei, ergänzt durch ein internationales Panoptikum, ohne Trump, dafür mit Joe Biden. Bei Satire gilt nun mal ein Prinzip: Dabei sein ist alles. Wer in so einem Reigen nicht auftritt, muss seine Publikumswirksamkeit überprüfen.

Markus SËÜder Tonfigur Spitting Image

Immerhin Söder könnte ein Selbstläufer sein bei "Spitting Image".

(Foto: Sky Deutschland; Bearbeitung SZ/obs)

Von 1984 bis 1996 hatten die britischen Macher das Glück, knallige Vorbilder vorzufinden: Die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher mit ihrer wie in blonden Beton gegossenen Dauerwelle und der markante Kalte-Krieg-Darsteller Ronald Reagan hielten die Quote hoch. Bis blassere Nachfolger die Satire-Party sprengten: George W. Bush und der britische Premier John Major waren für Parodisten ein Albtraum. Der schnarrende Machtmensch Söder könnte ein Selbstläufer sein. Aber man wird sehen, wie viel Laschet und Baerbock als Witzfigur hergeben. Immer so positiv zu sein wie Baerbock und immer so irgendwie ganz freundlich wie Laschet hilft nicht weiter. Da sind die Sky-Autoren nicht zu beneiden: Spitting Image durfte immer alles. Nur eines nicht: langweilig sein.

© SZ/cag
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