Süddeutsche Zeitung

Satire-Sendung "Spitting Image" bei Sky Ticket:Schlumpf-Attacke

Wieder einmal eifert eine deutsche Version "Spitting Image" nach: Wenn die Sendung nur so viel Witz hätte wie die Gummipuppen Klasse.

Von Alexander Menden

Ein Highlight des WDR-Politmagazins Zak war ein extrem grantiger Auftritt des SPD-Grandsegnieurs Hans-Jochen Vogel zu Beginn der Neunzigerjahre. "Sie waren schon witziger", bescheinigte er dem Moderator Friedrich Küppersbusch. Auf Fragen entgegnete er brüsk: "Sie haben ja alles schon vorgespielt." Anlass des Ärgers waren die Gummipuppen der Satire-Sendung Hurra Deutschland - deren Vogel-Version bei Zak hatte dem echten Vogel überhaupt nicht gefallen.

Hurra Deutschland war von 1989 bis 1991 der erste Versuch, eine deutsche Version der britischen Serie Spitting Image in Deutschland zu etablieren. Sie wirkte damals, trotz Vogels Ärger, harmlos im Vergleich zum extrem bissigen Vorbild, in dem Maggie Thatcher als Vampir das Blut des Volkes saugte. An deutschen Humor-Standards gemessen aber war das Format solide. Jetzt gibt es einen weiteren Anlauf, Spitting Image in Deutschland zu etablieren. Nachdem die Sender ITV - auf dem die Originalversion in den Achtzigern lief - und BBC bereits vor einem Jahr eine britische Neuauflage präsentierten, war an diesem Donnerstag Premiere von Spitting Image - The Krauts Edition bei Sky Comedy. Auch bei Sky Ticket und auf Abruf kann man die jeweils zwanzig Minuten langen Sendungen sehen.

Armin Laschet? Gut getroffen. Heidi Klum? Besteht fast nur aus Zähnen.

Im Vergleich zu Hurra Deutschland ist festzuhalten, dass die Puppen deutlich besser aussehen, sie haben die Qualität der Original-Figuren. Armin Laschets verknautschter Aachener Gartenzwerg-Look ist ebenso gut getroffen wie Angela Merkels Vertikalmundfalten. Inhaltlich ist allerdings kein großartiges Upgrade zu vor 30 Jahren zu erkennen. Eine fast nur aus Zähnen bestehende Heidi Klum moderiert mit nebenhöhlenreizend hoher Stimme "Germany's Next Top-Poliddiker". Zur Auswahl stehen hier Laschet, der nicht aufhören kann zu lachen, seitdem er Kanzlerkandidat geworden ist, ein - natürlich - Janker tragender Markus Söder und eine Ursula von der Leyen mit gigantisch hochtoupiertem Haar, die sich Notizen für eine mit Flüchen gespickte Rede auf den türkischen Präsidenten Erdogan macht (Stichwort: Sofa-Skandal). Die Wortwitze bewegen sich auf dem Niveau von "Nicht so, lasch-et!", als Slapstick-Einlage stellt Söder dem CDU-Kanzlerkandidaten ein Beinchen. Söder wird dazu gebracht, geradeaus zu laufen, indem Klum ihm eine Weißwurst (nicht mal eine Nürnberger Bratwurst) unter die Nase hält. Annalena Baerbock wird Kanzlerinnen-tauglich gemacht indem Klum sie per "Umstyling" in, na was wohl: Merkel verwandelt.

Merkel und Baerbock rappen in Latex-Klamotten hinter den Türen des Kanzleramts, wobei Merkel Laschet darauf hinweist: "Bin seit 16 Jahren am Start, habe das was du nicht hast, nenne mich Obi-Wan, habe die Macht!" In einem gesonderten Raum peitscht eine Alice-Weidel-Puppe eine Adolf-Hitler-Puppe aus. Kanzler wird am Ende dann aber doch Klums kubanischer Top Model-Kollege Jorge González. So richtig zünden will von all dem nichts. Das mag zum Teil daran liegen, dass der News Cycle so schnell geworden ist, dass manche Verweise schon gar nicht mehr verstanden werden. Das Hauptproblem dieses deutschen Spitting-Image-Ablegers ist aber, dass es ihm an wirklich witzigen Einfällen mangelt (Olaf Scholz als Schlumpf?). Das können auch noch so gut gemachte Puppen nicht ausgleichen.

Spitting Image - The Krauts Edition bei Sky Ticket.

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