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Spielfilmtipps zum Wochenende:Der Katze geht es gut

Zurück in die Zukunft

War früher alles besser? Nicht, wenn Marty McFly (Michael J. Fox, l.; hier mit Christopher Lloyd als Doc Brown) die Vergangenheit aus dem Lot bringt.

(Foto: ZDF und Ralph Nelson)

Filme erlauben Fluchten aus der Realität. Im Fernsehprogramm kann man aktuell beispielsweise in die Vergangenheit entkommen. Und einige Filme drehen sogar am Lauf der Dinge.

Zurück in die Zukunft

ZDF, Sonntag, 14.45 Uhr

In Zeiten, in denen das Lachen nicht leichtfällt, ist es umso beseelender, einen alten Bekannten zu treffen, der immer noch so mitreißt wie vor vielen Jahren. Zurück in die Zukunft ist so ein Freund: eine ewig junge Zeitreisekomödie, die sich der Vergangenheit und der Gegenwart mit leicht spöttischem Ton nähert, aber immer liebevoll bleibt. (Na gut, die tumben Terroristen und Biff Tannen mal ausgenommen.) Der Film über Marty McFly (Michael J. Fox), einen Teenager des Jahres 1985, der 1955 erst einmal seine späteren Eltern verkuppeln muss, saust dahin wie ein DeLorean mit Plutoniumantrieb. Die Drehbuchautoren Robert Zemeckis und Bob Gale platzieren anfangs haufenweise kleinste Details und nehmen sie später auf eine derart subtile Weise auf, dass man sich vorkommt wie nach einer 1.21-Gigawatt-Erleuchtung.

Reservoir Dogs

ZDF Neo, Nacht zu Sonntag, 0.25 Uhr

Wie alles anfing mit Quentin Tarantino: Vor bald 30 Jahren ließ er ein paar labertäschige Gauner (u. a. Harvey Keitel) große Töne spucken. Als ihr Coup schiefgeht, folgen Vorwürfe und ein sadistisches Verhör in einer leeren Lagerhalle. Der Film hat wenig von seiner Faszination eingebüßt, weil es Tarantino selten um Tempo ging, sondern um den Klang der Wörter und die Wucht der Taten. Direkt davor läuft um 22 Uhr ein Film aus der mittleren Tarantino-Phase: die abwechselnd wilde und stilisierte, stets überspitzte Weltkriegsfarce Inglourious Basterds, seine erste Kollaboration mit Christoph Waltz (2009). Der Regisseur war bekanntlich noch nie bereit, Zeitläufte zu akzeptieren. Hier schrieb er die Weltgeschichte erstmals radikal um. Anders als zuletzt in Once Upon a Time in Hollywood wirkt das hier in erster Linie noch wie ein Stunt - ein effektiver gleichwohl.

Der Rosenkrieg

Servus TV, Samstag, 22.55 Uhr

Mitte der 1980er hatten sich Kathleen Turner und Michael Douglas in zwei Action-Komödien (darunter Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten) ausgiebig geneckt, bis sie sich lieben durften. Auch deshalb war man 1989 zunächst guter Dinge, als sie ein drittes Mal zusammenkamen. Doch sie spielen die Roses, die sich nach 20 Ehejahren weder sehen noch riechen können. Im Kampf um ihr schmuckes Haus liefern sie sich einen Streit, der keine Grenzen kennt. Na gut, eine (kuriose) Grenze gab es: Nach Testvorführungen musste noch eine Einstellung hinzugefügt werden, die den Zuschauern die Sicherheit gab, dass die Hauskatze nicht zu Schaden kam. Ein anderer Kater (der gestiefelte) spielt eine wichtige Nebenrolle in der aufgedrehten Animationskomödie Shrek 2 (Disney, Samstag, 20.15 Uhr), die alte Märchen karikiert und zelebriert.

Land of the Dead

RTL 2, Nacht zu Sonntag, 1.50 Uhr

Alle Leser, denen bei Worten wie Untote der Appetit vergeht und die glauben, hier sei von einer tumben, zynischen Geldvermehrungsmaschine die Rede, sollen mit einem Satz verführt werden, dieser zugegeben harten Welt etwas Aufmerksamkeit zu schenken: Regisseur George A. Romero war der Antikapitalist unter den Filmemachern, der härteste Kritiker von blindem Konsumrausch und ausbeuterischem Materialismus. Weiterhin nicht davon überzeugt, dass dies kein gewöhnlicher Action-Horror ist? Wie wäre es dann damit: Kein anderer US-Film war Bertolt Brecht je so nahe wie Land of the Dead. In seinem vierten Zombie-Werk beginnen Romeros Untote zu kommunizieren und sich zu koordinieren - sehr zur Überraschung der Schnöseligen und Gewissenlosen unter den Überlebenden, am süffigsten verkörpert von Dennis Hopper.

© SZ vom 14.03.2020
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