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Spielfilmtipps:Raus aus dem Haus

Elizabethtown

Als ob eine gigantische Pleite im Beruf das Ende der Welt wäre: Drew (Orlando Bloom) findet an der Seite von Claire (Kirsten Dunst) wieder Freude am Dasein.

(Foto: Paramount Pictures)

Eine Erinnerung an den Western vergangener Zeiten, eine Reise an die westaustralische Küste und eine Heimkehr nach Kentucky: ferne Welten!

Von Fritz Göttler

Elizabethtown

Ein schöner kleiner Film übers Heimkommen, von Cameron Crowe. Orlando Bloom hat mit einem neuen Schuhmodell seinem Chef einen Millionenverlust kreiert, also baut er seinen Hometrainer in eine Selbstmordapparatur um, aber bevor er fertiggetüftelt hat, erfährt er, dass sein Vater starb und er die Leiche heimholen soll. Auf nach Kentucky also, nach Elizabethtown. Auf dem Flug dorthin ist er der einzige Passagier im nächtlichen Flieger, und die wunderbare Kirsten Dunst setzt sich neben ihn, in Flugbegleiteruniform, sie wird, wie ein Engel auf Erden, den Weg ihm weisen. Tom Cruise hat mitproduziert, er hatte mit Crowe bereits zwei Filme gemacht. In Edge of Tomorrow, 2014, von Doug Liman (Pro Sieben, Sonntag, 20.15 Uhr) ist Cruise ein Soldat in einem Krieg gegen Aliens, der in eine mysteriöse Murmeltier-Zeitschleife gerät.

Familienkomödie, SIXX, Sonntag, 22.15 Uhr

Rio Lobo

Der letzte Film von Howard Hawks, im Dezember vor fünfzig Jahren kam er in die amerikanischen Kinos. Ein alter weißer Mann, John Wayne, und ein paar Junge, die er um sich schart, Männer und auch Frauen, spielen noch einmal, mit Flinten und Pferden, das alte Cowboy-Spiel, sie wissen, dass keiner mehr sie ernst nehmen wird, auch sie selber natürlich nicht. "Give 'em hell, John", eine Westernstadt wird aufgeräumt. Zweimal hat Hawks mit John Wayne das schon durchgezogen, in Rio Bravo und El Dorado. Diesmal wacht der Alte morgens auf mit einer jungen Frau unter seiner Decke, sie hat sich nachts dazugekuschelt, weil sie ihn so comfortable findet, im Deutschen: weil er eine gute Wärmflasche ist. Der Anfang spielt im Bürgerkrieg, ein Überfall auf einen Geldtransport, mit Schmierfett, Hornissen und einer Menge starker Seile, zwischen Bäume und Sträucher gespannt.

Western, ARTE, Sonntag, 20.15 Uhr

Spuren

Robyn Davidson will weg in die Wüste, will wandern von Alice Springs bis an die australische Westküste, mit ein paar Kamelen. Es ist das Jahr 1975, Robyn ist 24 Jahre alt. Mia Wasikowska spielt Robyn im Film von John Curran, die Sonne verbrennt ihr das Gesicht, sie trifft auf Aborigines und deren Kultur und lernt sich selbst dabei kennen. Mit einem Fotografen des National Geographic macht sie einen Deal, er darf sie abbilden - Adam Driver spielt ihn. Auch Ofélia erkundet eine fremde Welt, in Pans Labyrinth, 2006, von Guillermo del Toro. Es ist 1944, der Bürgerkrieg in Spanien. Die Abenteuer der Kindheit, zwischen blutigem Terror, der Sehnsucht nach Geborgenheit und der Lust aufs Unbekannte. Es geht abwärts mit Ofélia, in ein Reich voller Faune und Flügelwesen, sie ist ein unterirdisches Königskind (Tele 5, Samstag, 20.15 Uhr).

Abenteuer, SERVUS TV, Samstag, 20.15 Uhr

Der Junge ...

... mit dem Fahrrad, 2011, von Jean-Pierre und Luc Dardenne. Den Jungen Cyril hat sein Vater ins Kinderheim gesteckt, und er weigert sich ihn zurückzuholen, will gar nicht mehr mit ihm sprechen. Also spricht der Junge eine junge Frau an, Cécile de France, mit einem Frisiersalon, darf erst die Wochenenden, später für immer bei ihr bleiben. Die Brüder Dardenne sind fasziniert vom Schwung der Pedale, von der Kraft und Dynamik, die Menschen entwickeln, wenn man sie in Bewegung setzt. Es steckt eine sommerliche Leichtigkeit in ihrem Film, am Kanal entlangradeln, ein Sandwich essen bei der Rast, einen Grillabend planen mit Freunden. Aber es wird kompliziert, wird kriminell. Die Hoffnung des Films, die Utopie, die ihn treibt, ist, dass wir endlich all die natürlichen Beziehungen loswerden, uns unsere Väter und Mütter selbst suchen.

Familiendrama, Das Erste, Nacht zu Montag, 1.30 Uhr

© SZ vom 07.11.2020
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