Spielfilmtipps Legenden aus Zukunft und Vergangenheit

Die Gangster Mr. White und Mr. Pink (v. r. Harvey Keitel, Steve Buscemi) liefern sich in Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ einen Machtkampf.

(Foto: ZDF/WDR/Artwork)

"Reservoir Dogs", "Bridget Jones", "X-Men": Die TV-Highlights des Wochenendes.

Von Michael Kohl

Der Mann, der Liberty Valance erschoss

Der Senator Stoddard wird für die Heldentat gefeiert. Journalisten wollen eine große Geschichte über ihn schreiben. Werden aber enttäuscht, da Stoddard die öffentliche Version nicht bestätigt. Also verfahren sie nach dem Prinzip: "This is the West. When the legend becomes fact, print the legend!" Die Zuschauer sehen derweil, was wirklich passiert ist: Während James Stewart als Stoddard mit Küchenschürze im Salon vom Tyrannen Valance das Bein gestellt wird, tritt John Wayne dem Widersacher breitbeinig gegenüber und entgegnet ihm: "That's my steak!" Auch wenn Regisseur John Ford in seinen Filmen Archetypen von Helden geformt hat, dekonstruiert er in diesem Spätwerk die Westernikonen. Nur einer überlebt, es ist nicht der Starke. Die Dokumentation im Anschluss widmet sich John Ford: Der Mann, der Amerika erfand (22.15 Uhr).

Western, ARTE, Sonntag, 20.15 Uhr

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Zu den zeitgenössischen Legenden gehören die X-Men. Im siebten Film reisen die Mutanten um Professor X in die Vergangenheit, um die Zukunft vor Killerrobotern zu retten. Auch hier wird die Geschichte hinter der Geschichte in Stücke zerlegt und neu zusammengesetzt, der Verlauf des Vietnamkrieges hinterfragt, werden der Attentäter von JFK und Nixons eigentliche Pläne entlarvt. Wenn historische Persönlichkeiten nicht zur Ruhe kommen und nachts durchs Museum geistern, muss Ben Stiller als Nachtwächter die Ausstellungsstücke vor ihrer Selbstzerstörung bewahren. Die Komödie Nachts im Museum ist ein überdrehter Kostümreigen der Stars: Rami Malek als Pharao Ahkmenrah, Amy Adams als Flugpionierin Amelia Earhart und Robin Williams als Theodore Roosevelt (Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr).

Superheldenfilm, PRO SIEBEN, Sonntag, 22.45 Uhr

Bridget Jones' Baby

Bridget Jones ist hingegen die Legende des Alltags und des Singledaseins. 15 Jahre nach dem ersten Einblick in das Leben dieser Frau kämpft Renée Zellweger in der Rolle immer noch mit ihrer Work-Life-Balance. Von Mr. Darcy ist sie mittlerweile getrennt und von ihrer Mutter wird sie daran erinnert, dass mit 43 Jahren die biologische Uhr immer schneller und lauter tickt. Kein Stress, dafür startet Bridget als Fernsehproduzentin richtig durch. Ein positiver Schwangerschaftstest bringt sie dann aber an den Rand des Wahnsinns. Als Vater kommen zwei Männer in Frage: der britisch-reservierte Colin Firth und der amerikanisch-charmante McDreamy Patrick Dempsey. Immerhin ist Emma Thompson als Ärztin für Bridgets Baby verantwortlich und sorgt als Co-Autorin für treffsichere Pointen und selbstironische Charakterzeichnungen.

Komödie, RTL, Sonntag, 20.15 Uhr

Reservoir Dogs

Was passiert, wenn Männer sich die Legenden der Filmgeschichte aneignen, sieht man bei Quentin Tarantino. Vom Film Noir sind die coolen Gesten und Smokings übernommen, von Kubricks The Killing ist es die verschachtelte Chronologie. Gangster planen einen Überfall. Aber Tarantino begnügt sich nie mit Imitation. Bei ihm ist immer alles noch fieser, noch blutiger. Zu Stuck in the Middle with You schneidet einer der Gauner dem gefesselten Polizisten mit einer Rasierklinge genüsslich das Ohr ab. Clint Eastwood ist eine filmgeschichtliche Legende, ein Wiedergänger seiner selbst. In Coogans großer Bluff wird er von Arizona nach New York geschickt, um einen entflohenen Verbrecher zu jagen. Mit Lederstiefeln und Hut tritt er auf den urbanen Asphalt als immigrierte Westernikone (ZDF, Nacht zu Sonntag, 1 Uhr).

Neo Noir, ZDF NEO, Samstag, 23.35 Uhr