SpielfilmtippsGenie und Slapstick

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Wie man ein großes Chaos erschafft, bleibt im Partyschreck das Geheimnis von Hrundi V. Bakshi (fabelhaft: Peter Sellers, l., mit Claudin Longet).
Wie man ein großes Chaos erschafft, bleibt im Partyschreck das Geheimnis von Hrundi V. Bakshi (fabelhaft: Peter Sellers, l., mit Claudin Longet). (Foto: Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.)

Allein "Der Partyschreck" rettet das Wochenende. Dazu einige Klassiker der aufregenden Art, wie "Jurassic Park" und Hitchcocks "Marnie".

Von Harald Hordych

Der Partyschreck

Slapstick-Komödie, K1 Classics, Sonntag 15.45 Uhr

Dieser Film von Black Edwards ist eine knapp 100 Minuten lange Zeitlupe des konsequent die Welt in ihre Einzelteile zerlegenden Wahnsinns und ein Slapstick-Geniestreich. Im Zentrum des Orkans steht der indische Kleindarsteller Hrundi V. Bakshi (Peter Sellers), der in einem Historienfilm auftritt und durch seine Tolpatschigkeit die teuren Kulissen im Handstreich vernichtet. Er soll auf eine schwarze Liste gesetzt werden, die jedes weitere Engagement unterbindet. Der mächtige Produzent schreibt seinen Namen aber auf die Einladungsliste für eine Party in seiner Hollywood-Villa. Mit dem Erscheinen des Pechvogels setzt die durch nichts mehr aufzuhaltende Zerstörung des Hauses ein. Hans Schifferle nannte in der SZ den Partyschreck einen der wenigen echten Experimentalfilme Hollywoods: "Eine Happening der Destruktion."

Jurassic Park

Saurier-Spektakel, SYFY, Samstag 20.15 Uhr

Eine stupende Vorlage und ein Regisseur, der Spannungsbögen und effektsichere Action so subtil wie energiegeladen in Szene setzen kann: Der 1993 gedrehte Jurassic Park nach dem Roman von Michael Crichton ist auch fast 30 Jahre später ein Muss für Menschen, die sich gern erschrecken lassen und sich trotzdem deutlich mehr aufschlussreiche Handlung als in einer Geisterbahn erwarten. Die Idee, anhand von aus Moskitoblut generierter Dinosaurier-DNA eine Welt wiederauferstehen zu lassen, die vor 65 Millionen Jahren untergegangen ist, hat ihren Reiz nicht verloren. Mögen auch die Möglichkeiten computererzeugter Fabelwesen enorm gewachsen sein. Wenn im Dino-Park die Lichter ausgehen, die Sicherheitszäune fallen und der Tyrannosaurus Rex Hunger bekommt, ist immer noch furiose Unterhaltung geboten. Was man von all den Sequels danach nicht behaupten kann.

Marnie

Psycho-Thriller, RBB, Samstag 23.30 Uhr

Tippi Hedren hat mal in einem Interview mit dieser Zeitung erzählt, dass der Dreh mit dem obsessiven Alfred Hitchcock eine enorme Belastung gewesen sei. Aber die Darstellung einer psychisch kranken Kleptomanin faszinierte sie. Das Ergebnis ist ein Psychothriller der kühlen und abwartenden Art, unspektakulär und zugleich im Duell der beiden Protagonisten nervenzerfetzend. Hitchcock erzählt kunstvoll von einem Kampf um einen Menschen, der sich partout nicht helfen lassen will. Dabei spielt der sonst so hart auftretende Bond-Darsteller Sean Connery einen ungewohnt einfühlsamen, fast hilflosen Verleger, der seine eiskalte, Berührungen hassende Sekretärin Marnie beim Stehlen erwischt und statt sie anzuzeigen zwingt, ihn zu heiraten. Die lässt ihn danach fortwährend abblitzen. Das ist beklemmend und anrührend: Sie kann einfach nicht anders.

About a Boy oder: Der Tag der toten Ente

Dramedy, ZDF, Nacht zu Sonntag, 3.25 Uhr

Der Tag der toten Ente. Die etwas andere romantische Komödie des schüchtern-unbeholfenen Charmebolzens Hugh Grant, der erst ungeschickt und dann mit einem hinreißenden Charme in etlichen Filmen Punkte gesammelt hat. Das Erwachsenwerden des jungenhaften Herzensbrechers findet stets am Ende seiner Filme statt, wenn die Liebe ihn in feste Bande schließt. In der Verfilmung von Nick Hornbys Bestseller entwickelt Grant in der Rolle des bindungsunfähigen Playboys Will aber erst eine Zuneigung zu einem zwölfjährigen isolierten Jungen, der sich zu Will als Vaterersatz hingezogen fühlt. Will ist selbst am meisten verblüfft davon, dass ausgerechnet ihm das passiert. Wie wenig verwunderlich bei Hornby hat die Geschichte einen kitschfernen, zugleich mit toughen Humor gesegneten Ton, dem sich auch die Verfilmung glücklicherweise aneignet.

© SZ vom 22.08.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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