Spielfilmtipps Die Zola-Maschine

Gibt’s ein Problem? Nun, jedenfalls keines, das der gewiefte Anwalt Miles Massey (George Clooney) nicht lösen könnte. Glaubt er jedenfalls.

(Foto: ZDF und 2003 Universal Studios)

Wie man aus einem Roman pures Kino macht, zeigte Jean Renoir 1939. George Clooney dagegen zeigt, warum das Anwaltsbusiness heute großes Kino ist.

Von Fritz Göttler

Eine dunkle Begierde

Psychodrama, ZDF, Nacht zum Sonntag, 2.20 Uhr

Die Geburt der Psychoanalyse, erzählt von David Cronenberg, dem Meister des fleischlichen Kinohorrors, als Dreiecksgeschichte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg: zwischen den Meistern C. G. Jung und Sigmund Freud und - ihrer Patientin und Studentin - der jungen Sabina Spielrein, verkörpert von Michael Fassbender, Viggo Mortensen, Keira Knightley. Der Film kommt streng bürgerlich daher, man kann ihn aber auch als eine Komödie sehen. Bei den medizinischen Methoden der beiden Männer sind Sex und Masochismus im Spiel. Michael Fassbender ist auch dabei in 12 Years a Slave (2013) von Steve McQueen über die brutalen Lebensbedingungen der schwarzen Sklaven auf den Plantagen des amerikanischen Südens, mit Chiwetel Ejiofor und Benedict Cumberbatch. Fassbender ist ein anarchischer, aber erdverbundener Gutsherr.

Bestie Mensch

Liebestragödie, Arte, Nacht zum Montag, 1.35 Uhr

Jean Renoir, den viele als den größten französischen Regisseur ansehen, verfilmt 1939 den Roman La bête humaine von Émile Zola und macht daraus pures, elementares Kino. Die ersten zehn Minuten sind - pulsierend, erregend - die Fahrt eines Zuges zum Bahnhof von Le Havre. Wir erleben, wie die Mechanik der Maschine zusammenspielt mit den menschlichen Triebkräften: Liebe, Eifersucht, Mordverlangen. Jean Gabin als Lokführer ist Opfer dunkler Anlagen. Ebenfalls von Renoir mit Gabin: Die große Illusion, 1937 (3sat, Sonntag, 13.40 Uhr). Der Kampfpilot Gabin wird im Ersten Weltkrieg abgeschossen und landet im Gefangenenlager, das geführt wird von Erich von Stroheim, als Filmemacher zu elitär für Hollywood, von Renoir hoch verehrt. Er leidet, aber er bewahrt Haltung. Stroheim hat sich für die Rolle eine Nackenstütze ausgedacht.

Der letzte Wagen

Western, Tele 5, Sonntag, 18.10 Uhr

Ein Western aus Arizona, von Delmer Daves. Eine Gruppe Siedler wird von Apachen überfallen, die Eltern werden getötet, die Kids scharen sich um einen Ersatzvater, Comanche Todd, gespielt von Richard Widmark. Er kennt die Gebräuche und Tricks der Indianer, ist verbittert angesichts des Rassismus im Grenzgebiet und auf einem gnadenlosen Rachetrip. Eine Frau versucht, ihn zu verstehen, die tolle Felicia Farr, die in drei Western von Delmer Daves dabei war: Die Nacht, die, falls die Apachen sie entdecken, ihre letzte wäre, verbringen sie gemeinsam. Delmer Daves liebt Amerika, schrieb der Bewunderer und Freund Bertrand Tavernier, und lässt uns seine Gefühle teilen, aber auch den Rest der Welt sieht er mit dem gleichen Respekt. Danach zwei Rachewestern von Henry Hathaway, Todfeinde (1968) mit Robert Mitchum und Dean Martin(20.15 Uhr), und Nevada Smith (1966) mit Steve McQueen (22.20 Uhr).

Ein (un)möglicher Härtefall

Ehedrama, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Das Scheidungsbusiness in Amerika ist eine harte Sache, in dem Film der Brüder Joel und Ethan Coen. George Clooney glänzt als ein Anwalt, der immer wieder neue fiese Tricks findet - das Motto ist: Wir nageln dich fest... Dann aber kommt Catherine Zeta-Jones ins Spiel, die liebend gern groß abräumen würde, durch die Scheidung von ihrem plumpen untreuen Mann. Bei einem stilvollen Abendessen mit Clooney wird zum Appetitmachen Shakespeare zitiert - "wer hätte je geliebt, hätt' er sich nicht auf den ersten Blick verliebt..." Ein erster Klient ist der unverwüstliche Geoffrey Rush, den kann man als australischen Sprachlehrer erleben in The King's Speech, wo er Colin Firth als britischem Thronfolger das Stottern austreibt, unter anderem mit dem Hamlet-Monolog (ARD, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr).