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Medienkolumne "Abspann":Spiegel's Digest

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"Spiegel"-Verlagsgebäude in Hamburg.

(Foto: imago images / Chris Emil Janßen)

Die Zeiten sind hart. Aber der "Spiegel" meint es gut mit seinen Redakteuren und bringt jede Menge Vorabdrucke ihrer Bücher.

Von Cornelius Pollmer

Als es im Leben noch mehr um Incentives ging als um Inzidenzen, konnte der Spiegel mit ein paar Arbeitgeber-Angeboten punkten, die man nicht unanständig finden musste, aber für heillos übertrieben halten konnte. Für einen eher symbolischen Beitrag ließen sich Massagen buchen, in der Kantine wurde am Platz serviert. Unabhängig vom Regime des immer noch garstigen Virus ist immerhin ein weiterer spezieller Service bislang aufrechterhalten worden, nämlich der gelegentliche, werbewirksame Vorabdruck irgendwelcher Bücher, die Leute vom Spiegel geschrieben haben.

Im Oktober stand der Satz "Diese Geschichte finden Sie auch im neuen Buch von Spiegel-Redakteur Marc Hujer" unter einem Text, in dem unter anderem beschrieben wird, wie Markus Söder Tennis spielt. Vorabdrucke für solche Bücher, die in Kooperation mit der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) erscheinen, werden beim Spiegel offenbar am liebsten gesehen.

Im November wiederum erschien ein Text von Volker Weidermann über Anna Seghers, der auf sein Buch zum selben Thema verwies, das bereits im September erschienen war. Nicht mehr am, sondern im Netz tauchte dann Markus Söder Ende Januar abermals im Spiegel auf - als Online-Vorabdruck eines Buches der Korrespondentin Anna Clauß, das wie das von Weidermann außerhalb der DVA-Kooperation entstanden ist.

Eine Spezialausgabe von Spiegel's Digest wurde wiederum in der Ausgabe am 20. Februar veröffentlicht. Takis Würger, der die journalistisch umstrittene Ich-Perspektive seit ein paar Jahren ziemlich konsequent zur Ich!-Ich!-Ich!-Perspektive ausbaut, benutzte den Spiegel nicht einfach für einen schnöden Vorabdruck. Er schrieb stattdessen noch einmal neu und praktischerweise eben selbst über sein eigenes Buch und also vor allem: über sich.

Eine Woche darauf, am vergangenen Samstag, konnte einem ein Text der Spiegel-Autorin Susanne Beyer im direkten Vergleich fast schon wieder zurückhaltend vorkommen. Auf drei ganzen Seiten erzählte Beyer von Frauen in ihrer Lebensmitte. Wer dem listigen Köder bis zum Ende folgte, der fand dort den freundlichen Hinweis, dass am 8. März Beyers Buch zum selben Thema erscheine. Verbreiterhaftung hin oder her, den schönen Titel wenigstens dieses Buches möchte man jetzt doch erwähnen. Es heißt "Die Glücklichen".

© SZ/hy
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