Journalismus:Zweifel an Berichten des "Spiegel"

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Journalismus: Die Ombudsstelle, die nach der Reloutius-Affäre im "Spiegel" eingesetzt wurde, ist nun wieder tätig geworden.

Die Ombudsstelle, die nach der Reloutius-Affäre im "Spiegel" eingesetzt wurde, ist nun wieder tätig geworden.

(Foto: Rico Thumser/imago images/foto-leipzig.de)

Das Nachrichtenmagazin nimmt Texte über Flüchtlinge an der EU-Grenze in Griechenland vorläufig offline. Haben die Kontrollmechanismen erneut versagt?

Von Claudia Tieschky

"Todesfalle EU-Grenze" ist der Text vom 19. August dieses Jahres überschrieben, es geht darin um das Schicksal syrischer Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze. 38 Menschen werden tagelang von türkischen Soldaten und griechischen Grenzern am Grenzfluss Evros hin- und hergetrieben. Schließlich stirbt bei diesem "Pushback" ein fünfjähriges Mädchen, Maria, auf einer Insel im Fluss, auf der die Menschen zwei Wochen lang ausharren müssen. So steht es in dem Text, er zeichnet das Bild eines humanitären Versagens.

Die Geschichte und andere über das Schicksal einer Flüchtlingsgruppe hat der Spiegel nun offline genommen. Es gibt Zweifel am Wahrheitsgehalt, wie das Branchenmagazin Medieninsider zuerst berichtete. Der Spiegel teilt auf Anfrage mit, es gehe "vor allem um den Verdacht, dass die Flüchtlinge in ihrer Not den Tod eines Mädchens erfunden haben könnten". Die Flüchtlinge hielten aber bis heute am Tod des Mädchens als Tatsache fest, wie das Hamburger Magazin erklärt.

Neben dem Spiegel hätten auch weitere internationale Medien, darunter der britische Channel 4 oder die französische Zeitung Le Monde über diese Vorgänge berichtet. Juristisch sei das Magazin wegen der Berichte auch nicht belangt worden: Auf die Sache aufmerksam geworden sei man vielmehr nach "externen Hinweisen" und durch einen Brief des griechischen Migrationsministers. Danach sei die Ombudsstelle des Magazins tätig geworden, die nach der Relotius-Affäre eingesetzt worden ist.

Haben die Kontrollmechanismen des Magazins nun erneut versagt? Medieninsider berichtet unter anderem, dass der griechische Migrationsminister in seinem Schreiben an Spiegel-Chef Steffen Klusmann den Wahrheitsgehalt der Texte in Zweifel zog - die Darstellung sei ungeprüft von Nichtregierungsorganisationen übernommen worden, die sich für die Aufnahme der Flüchtlinge einsetzen. Ein totes Mädchen gebe es nicht. Auch Channel 4 erhielt laut Spiegel Post vom griechischen Minister.

In Hamburg will man nach Abschluss der Recherchen voraussichtlich im Dezember entscheiden, ob die Beiträge gegebenenfalls in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlicht werden.

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